Claude Debussy (1862–1918)

2012 wurde der 150. Geburtstag von Claude Debussy, dem großen Erneuerer der französischen Musik, weltweit gefeiert, und nun, 2018, jährt sich sein Todestag (25. März 1918) zum hundertsten Mal, so dass erneut ein Debussy-Jahr vor uns liegt. Wir nehmen dies zum Anlass, in einer kleinen Blog-Reihe, deren Teile alle zwei Monate erscheinen werden, unterschiedliche Aspekte zu unseren Debussy-Urtext-Editionen vorzustellen und mit Ihnen zu diskutieren. Der Startschuss zu diesen Editionen erfolgte 1983, also vor jetzt 35 Jahren, und im heutigen Teil 1 möchten wir Ihnen schildern, wie es überhaupt dazu kam, dass die Musik Debussys bei Henle erscheinen konnte.

Ernst-Günter Heinemann

Wer sich mit unseren Debussy-Ausgaben beschäftigt, stößt unweigerlich auf den Namen Ernst-Günter Heinemann, der von 1978 bis 2010 als Lektor bei Henle tätig war und bis heute dem Verlag eng verbunden blieb. Er ist Herausgeber für das gesamte bei Henle erschienene Klavierwerk Debussys, das seit 2011 in einer dreibändigen Sammelausgabe vorliegt (Broschur HN 1192, 1194, 1196, Leinen HN 1193, 1195, 1197), sowie für große Teile von dessen Kammermusik – eine wahre Herkulesarbeit!

Im Gespräch teilte er uns mit, dass Debussy-Editionen bereits in den 1970er-Jahren auf der Planungsliste des Verlags standen, zunächst aber noch der Ablauf der Schutzfrist abgewartet sowie Probleme der Quellenermittlung und -beschaffung gelöst werden mussten.

François Lesure (1923–2001)

Als Glücksfall erwies sich dann der Kontakt zu François Lesure, dem seinerzeit bedeutendsten Debussy-Forscher überhaupt. Lesure hatte 1977 ein erstes umfassendes Werkverzeichnis veröffentlicht, zu dem sich, wie bei solchen Unternehmungen üblich, in den nachfolgenden Jahren zahlreiche Änderungen und Nachträge ergaben. Die Zusammenarbeit mit Lesure, der sich bereit erklärte, die Vorworte für die Henle-Editionen zu übernehmen, garantierte daher, dass die Entstehungs- und Druckgeschichte der jeweiligen Werke auf dem aktuellen Stand der Forschung beschrieben und keine wichtige Quelle für die Edition übersehen wurde.

1983 ging es dann los mit den populären Klavierwerken Deux Arabesques, Suite bergamasque und Children’s Corner, und bald schon schlossen sich Neueditionen von Pour le piano sowie des ersten Hefts der Préludes an. Mit dem frühen Klaviertrio (dessen Autographe erst kurz zuvor entdeckt worden waren) erschien 1986 auch das erste Kammermusikwerk des Franzosen im blauen Gewand. Diese vom amerikanischen Musikforscher Ellwood Derr herausgegebene erste Edition der bis dato verschollenen Komposition fand natürlich in der Presse ein reges Echo, aber auch die neuen Klaviermusik-Editionen wurden dankbar aufgenommen:

Als ob es noch nicht mit dieser einzigartigen Erstausgabe [des Klaviertrios] gereicht hätte, komplettiert der Henle-Verlag seinen großen Einsatz für Debussy durch die Ausgabe einer Reihe von zentralen Klavierwerken in der nun schon klassischen, wohlbekannten „blauen“ Urtext-Edition. Für den gewissenhaften Debussy-Spieler und Pädagogen gibt es nun die Möglichkeit, seine verschlissenen Noten zu ersetzen […] und zugleich sich zu vergewissern, ob der bisher benutzte Notentext wirklich den letzten Stand der Forschung repräsentiert und exakt dem Willen des Komponisten entspricht. (Olof Höjer in: Musikrevy, Nr. 7–8, 1986)

Über viele Jahre hinweg gab das eingespielte Duo Lesure/Heinemann mit großer Regelmäßigkeit neue Debussy-Editionen heraus, bis zum Tod Lesures 2001 nahezu die gesamte zweihändige Klaviermusik sowie wesentliche Kammermusikwerke. Versteht sich, dass bei dem vielfältigen Schaffen Debussys letzte Lücken im Klavier- und Kammermusikbereich bei Henle erst 2011/12 geschlossen werden konnten. Einzelstücke in gemischten Alben sowie Auskoppelungen aus Sammlungen oder Zyklen eingerechnet, stehen heute nicht weniger als 50 Debussy-Editionen im Henle-Verlag zur Auswahl! Nachdrücklich hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auf das zum Jubiläum 2012 erschienene Faksimile der originalen Handschrift von L’Isle joyeuse (HN 3224) mit einer Einleitung des Debussy-Experten Denis Herlin.

Freuen Sie sich nun auf die Fortsetzung von „Debussy im Urtext“ – Teil 2 wird am 26. März ein erstes konkretes Editionsproblem behandeln: Stellen mit unklarer Harmonik im frühen Klavierstück Nocturne.

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