Tasteninstrumente > Klavier zu zwei Händen
Wolfgang Amadeus Mozart
Klaviersonate B-dur KV 570
Herausgeber: Ernst Herttrich
Fingersatz: Hans-Martin Theopold
6,00 €
Urtextausgabe, broschiert
Ausführlicher Kritischer Bericht
(nicht in der Druckausgabe enthalten)
zum kostenlosen Download
Seiten: 14, Größe 23,5 x 31,0 cm
Bestell-Nr. HN 398 · ISMN M-2018-0398-2
Schwierigkeitsgrad (Klavier): mittel (Stufe 5/6)
Viele B-Dur-Werke Mozarts fallen durch ihren sanften und manchmal dunklen, resignierten Ton auf. Zu den Kompositionen, auf die diese Charakteristik zutrifft, gehört nicht nur das bekannte letzte Klavierkonzert KV 595, sondern auch die weniger berühmte Klaviersonate KV 570.
ERSTER SATZ Im Vergleich zur ähnlich beginnenden F-Dur-Sonate KV 332 fehlt dieser Sonate das energische Vorwärtsdrängen. Aber der Dramatiker Mozart kann sich auch in diesem lyrischen Stück nicht ganz verleugnen, und der Beginn der Durchführung mit der plötzlichen Rückung nach Des-Dur reißt Tiefen auf. Die Spannung steigert sich im weiteren Verlauf durch den sich in der Tonhöhe – und sicher auch im Tonvolumen – hinaufschraubenden zweiten Gedanken des Themas (Takt 84-94), in das dann im p der erste Themengedanke im Bass in G-Dur einsetzt. Die Tonrepetitionen nehmen ein wenig Papagenos Geplapper voraus. Die thematische Sparsamkeit in diesem ersten Satz mit der kunstvollen Vertauschung der Stimmen erinnern ebenso wie das heitere Schlussrondo dieser Sonate etwas an Haydn.
ZWEITER SATZ Weit weniger ist dies der Fall beim sehr verinnerlichten Mittelsatz, einem Adagio in Es-Dur, trotz der Imitation des Hornklanges im Thema. Hier ist eine „Resignation ohne Bitterkeit“ ausgedrückt, eine entrückte Abschiedsstimmung, Musik, von der alle Erdenschwere abgefallen zu sein scheint. Die c-Moll-Episode dieses Satzes, der in Rondoform (oder fünfteiliger Liedform) gebaut ist, ist eng mit der c-Moll-Stelle des Mittelsatzes aus dem Klavierkonzert KV 491 verwandt; Takt 14 ist ein fast wörtliches Zitat daraus.
DRITTER SATZ Dem Schlussrondo fehlt das Ritornell in der Mitte, so dass es die Form A-B-C-A hat. In der zweiten Episode (Abschnitt C) erinnern die Tonrepetitionen wiederum an die „Zauberflöte“, diesmal aber mehr an das Fugato der Ouvertüre als an Papagenos Arie.
Paul und Eva Badura-Skoda
Weitere Informationen
YouTube-Empfehlung: Walter Gieseking
Hörbeispiel: Maria João Pires
Deutsche Grammophon 028947752004GB6
Die Schwierigkeitsgrade der
Klaviermusik im G. Henle Verlag
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| leicht | mittel | schwer | ||||||
Die Schwierigkeitsgrade der Klaviermusik im G. Henle Verlag
| Stufe | Grad | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | leicht | Bach, Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, Nr. 4 und 5 |
| 2 | Bach, Wohltemperiertes Klavier I, Nr. 1 Präludium C-dur | |
| 3 | Beethoven, Klaviersonaten op. 49,1 und 2 | |
| 4 | mittel | Grieg, Lyrische Stücke op. 12, Nr. 4 |
| 5 | Schumann, Fantasiestücke op. 12, Nr. 1 | |
| 6 | Chopin, Nocturnes op. 27, Nr. 1 und 2 | |
| 7 | schwer | Beethoven, Klaviersonate op. 10, Nr. 3 |
| 8 | Beethoven, Klaviersonate op. 81a | |
| 9 | Schumann, Toccata op. 7 |
Schwierigkeitsgrade als Leitfaden
„Was heißt schon ‚schwer‘? Entweder man kann spielen oder man kann nicht spielen“ – so die lapidare Bemerkung des großen Geigers Nathan Milstein, angesprochen auf die unglaublichen Schwierigkeiten der Capricen op. 1 von Niccolo Paganini.
Sofort wird damit die Relativität von „Schwierigkeitsbewertungen“ in der Musik deutlich. Ich stelle mich dennoch gerne dieser großen Herausforderung, die der G. Henle Verlag an mich herangetragen hat. Denn ich weiß von vielen Kollegen und aus eigener Erfahrung, wie hilfreich solch ein Leitfaden sein kann. Vor allem, um „passende“ Stücke aufzufinden. Zum Beispiel für Instrumentallehrer, die auf den unterschiedlichsten Ebenen unterrichten, vom Anfänger bis zur Vorbereitung auf die Hochschulen, aber auch für alle interessierten Laien, denen ein solcher Leitfaden helfen will.
Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für neun Schwierigkeitsgrade, die ich in drei Gruppen unterteilt habe: 1–3 (leicht), 4–6 (mittel), 7–9 (schwer). In die Schwierigkeitsgrad-Bewertung fließen dabei möglichst viele Parameter ein. Ich bewerte nicht allein die Anzahl von schnell oder langsam zu spielenden Noten oder von Akkordfolgen; ganz entschieden wichtig sind darüber hinaus die Komplexität der Faktur eines Stückes, die Kompliziertheit seiner Rhythmik, die Schwierigkeit der Lesbarkeit beim ersten Erfassen des Notentextes und nicht zuletzt, wie leicht oder wie schwer es ist, die musikalische Struktur des Stückes zu erfassen. Als „Stück“ definiere ich dabei die musikalische Einheit etwa einer Sonate oder eines Einzelstücks im Zyklus, weshalb zum Beispiel Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ Band 1 insgesamt 48 Schwierigkeitsgrade enthält (jedes Präludium und jede Fuge separat), Schumanns fis-moll-Sonate op. 11 jedoch nur eine einzige Ziffer. Maßstab meiner Bewertung ist die vorspielreife Darbietung eines Stücks.
Während der Bewertungsarbeit hat sich herausgestellt, dass der Bereich der mittleren Schwierigkeitsgrade (4–6) am heikelsten ist. Hin und wieder führt das dazu, dass ein Stück zum Beispiel mit der Kategorie „3/4“ zu bewerten ist, obwohl es allein vom Klaviertechnischen her eine „3“ verdient hätte. Als Beispiel für solch eine „Grenzüberschreitung“ (leicht/mittel) diene das erste Stück der Schumannschen „Kinderszenen“ op. 15 Von fremden Ländern und Menschen oder in die andere Richtung „6/7“ ein Teil der Bachschen „Englischen Suiten“. Und selbstverständlich gibt es auch innerhalb einer Hauptkategorie „Von-bis“-Wertungen (z. B. 7/8).
Jedwede Bewertung von Kunst und Musik bleibt selbst bei Vorgabe größter Objektivität immer subjektiv. Bei aller Sorgfalt, um die ich mich bemüht habe, bin ich mir im tiefsten Inneren durchaus der Anfechtbarkeit des Ergebnisses meiner Arbeit im Klaren, so dass ich für Anregungen jederzeit dankbar bin.
Prof. Rolf Koenen © 2010

