Tasteninstrumente > Klavier zu zwei Händen
Wolfgang Amadeus Mozart
Klaviersonate D-dur KV 576
Herausgeber: Ernst Herttrich
Fingersatz: Hans-Martin Theopold
6,00 €
Urtextausgabe, broschiert
Ausführlicher Kritischer Bericht
(nicht in der Druckausgabe enthalten)
zum kostenlosen Download
Seiten: 18, Größe 23,5 x 31,0 cm
Bestell-Nr. HN 603 · ISMN M-2018-0603-7
Schwierigkeitsgrad (Klavier): schwer (Stufe 7)
Nicht so „jenseitig“ im Charakter, dafür um vieles brillanter, ist die letzte der original konzipierten Klaviersonaten Mozarts, die Sonate KV 576 in D-Dur. Die Tonart ebenso wie die Taktart (6/8) weisen schon auf den Untertitel hin, den diese Sonate vor allen in den englisch sprechenden Ländern oft erhält: Jagd-Sonate (Hunt-Sonata). Wie Mozart seinem Gläubiger Puchberg brieflich mitteilte, plante er 1789 um Geld zu verdienen, sechs leichte Klaviersonaten für die Prinzessin Friederike von Preußen zu komponieren. Allerdings scheint diese Jagdsonate offenbar die einzige gewesen zu sein, die Mozart dann fertigstellte; und „leicht“ kann man sie kaum nennen. In Gegenteil, ihre Interpretation stellt hier Anforderungen an die Fingertechnik des Pianisten.
Wie in so vielen Werken Mozarts aus diesen letzten Wiener Jahren findet sich auch in dieser Sonate ein subtiles kontrapunktisches Spiel mit scheinbar einfachsten Mitteln. In der Durchführung des ersten Satzes erscheint das Thema mehrfach mit kanonischen Einsätzen, erst im Abstand von einem Takt (Takt 63/64), später von eineinhalb Takten (Takt 70) und führt dann zu einem eindrucksvollen Höhepunkt mit einer Modulation nach Fis-Dur (Takt 77 f.) und einer Rückkehr zur Haupttonart über fis-Moll (Takt 83), h-Moll und e-Moll. Nach einer kurzen Überleitung beginnt die Reprise in Takt 99, wobei in echt Mozartscher Art das Material der Exposition in neuer Reihenfolge und leicht verändert gebracht wird.
Paul und Eva Badura-Skoda
Weitere Informationen
YouTube-Empfehlung: Friedrich Gulda, Satz 1-3
Hörbeispiel: Maria João Pires
Deutsche Grammophon 028947752004GB6
Die Schwierigkeitsgrade der
Klaviermusik im G. Henle Verlag
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| leicht | mittel | schwer | ||||||
Die Schwierigkeitsgrade der Klaviermusik im G. Henle Verlag
| Stufe | Grad | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | leicht | Bach, Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, Nr. 4 und 5 |
| 2 | Bach, Wohltemperiertes Klavier I, Nr. 1 Präludium C-dur | |
| 3 | Beethoven, Klaviersonaten op. 49,1 und 2 | |
| 4 | mittel | Grieg, Lyrische Stücke op. 12, Nr. 4 |
| 5 | Schumann, Fantasiestücke op. 12, Nr. 1 | |
| 6 | Chopin, Nocturnes op. 27, Nr. 1 und 2 | |
| 7 | schwer | Beethoven, Klaviersonate op. 10, Nr. 3 |
| 8 | Beethoven, Klaviersonate op. 81a | |
| 9 | Schumann, Toccata op. 7 |
Schwierigkeitsgrade als Leitfaden
„Was heißt schon ‚schwer‘? Entweder man kann spielen oder man kann nicht spielen“ – so die lapidare Bemerkung des großen Geigers Nathan Milstein, angesprochen auf die unglaublichen Schwierigkeiten der Capricen op. 1 von Niccolo Paganini.
Sofort wird damit die Relativität von „Schwierigkeitsbewertungen“ in der Musik deutlich. Ich stelle mich dennoch gerne dieser großen Herausforderung, die der G. Henle Verlag an mich herangetragen hat. Denn ich weiß von vielen Kollegen und aus eigener Erfahrung, wie hilfreich solch ein Leitfaden sein kann. Vor allem, um „passende“ Stücke aufzufinden. Zum Beispiel für Instrumentallehrer, die auf den unterschiedlichsten Ebenen unterrichten, vom Anfänger bis zur Vorbereitung auf die Hochschulen, aber auch für alle interessierten Laien, denen ein solcher Leitfaden helfen will.
Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für neun Schwierigkeitsgrade, die ich in drei Gruppen unterteilt habe: 1–3 (leicht), 4–6 (mittel), 7–9 (schwer). In die Schwierigkeitsgrad-Bewertung fließen dabei möglichst viele Parameter ein. Ich bewerte nicht allein die Anzahl von schnell oder langsam zu spielenden Noten oder von Akkordfolgen; ganz entschieden wichtig sind darüber hinaus die Komplexität der Faktur eines Stückes, die Kompliziertheit seiner Rhythmik, die Schwierigkeit der Lesbarkeit beim ersten Erfassen des Notentextes und nicht zuletzt, wie leicht oder wie schwer es ist, die musikalische Struktur des Stückes zu erfassen. Als „Stück“ definiere ich dabei die musikalische Einheit etwa einer Sonate oder eines Einzelstücks im Zyklus, weshalb zum Beispiel Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ Band 1 insgesamt 48 Schwierigkeitsgrade enthält (jedes Präludium und jede Fuge separat), Schumanns fis-moll-Sonate op. 11 jedoch nur eine einzige Ziffer. Maßstab meiner Bewertung ist die vorspielreife Darbietung eines Stücks.
Während der Bewertungsarbeit hat sich herausgestellt, dass der Bereich der mittleren Schwierigkeitsgrade (4–6) am heikelsten ist. Hin und wieder führt das dazu, dass ein Stück zum Beispiel mit der Kategorie „3/4“ zu bewerten ist, obwohl es allein vom Klaviertechnischen her eine „3“ verdient hätte. Als Beispiel für solch eine „Grenzüberschreitung“ (leicht/mittel) diene das erste Stück der Schumannschen „Kinderszenen“ op. 15 Von fremden Ländern und Menschen oder in die andere Richtung „6/7“ ein Teil der Bachschen „Englischen Suiten“. Und selbstverständlich gibt es auch innerhalb einer Hauptkategorie „Von-bis“-Wertungen (z. B. 7/8).
Jedwede Bewertung von Kunst und Musik bleibt selbst bei Vorgabe größter Objektivität immer subjektiv. Bei aller Sorgfalt, um die ich mich bemüht habe, bin ich mir im tiefsten Inneren durchaus der Anfechtbarkeit des Ergebnisses meiner Arbeit im Klaren, so dass ich für Anregungen jederzeit dankbar bin.
Prof. Rolf Koenen © 2010

