Tasteninstrumente > Klavier zu zwei Händen

Wolfgang Amadeus Mozart

Klaviersonate F-dur KV 280 (189e)

Herausgeber: Ernst Herttrich
Fingersatz: Hans-Martin Theopold

5,50 €

Urtextausgabe, broschiert
Ausführlicher Kritischer Bericht
(nicht in der Druckausgabe enthalten)
zum kostenlosen Download

Seiten: 17 (V, 12), Größe 23,5 x 31,0 cm
Bestell-Nr. HN 1040 · ISMN M-2018-1040-9

Schwierigkeitsgrad (Klavier): mittel (Stufe 5)

Die sechs Sonaten KV 279–284 sind wahrscheinlich Anfang 1775 entstanden. Mozart nimmt in Briefen, die er von seiner Paris-Reise (1777–79) an seinen Vater schrieb, darauf Bezug und bezeichnet sie dabei oft als die „schweren Sonaten“ – womit er wohl auf die besonderen interpretatorischen Ansprüche anspielt. So versah er diese Werke mit einer reichen dynamischen und artikulatorischen Bezeichnung und riet für ihren Vortrag zu zurückhaltendem Tempo. Mit der Sonate KV 280, die durch ihren melancholischen Mittelsatz in f-moll eine Sonderstellung unter diesen frühen Sonaten einnimmt, legen wir ein weiteres Kleinod aus unserer Ausgabe sämtlicher Mozart-Sonaten in einer praktischen und preisgünstigen Einzelausgabe vor.

ERSTER SATZ Die zweite Sonate im Zyklus, deren Sätze ausnahmsweise alle in einem Dreiertakt stehen, zeigt schon im Hauptthema des ersten Satzes trotz der Tempovorschrift Allegro assai Cantabilität und italienische Elemente, die gerade für den jungen Mozart besonders typisch erscheinen, nämlich die Seufzer-Vorhalte in Takt 5 und 6 sowie das ausgeschriebene Rubato in Takt 8. Mozarts F-Dur-Sonaten KV 332 und KV 546 (letztere ursprünglich für Klavier und Violine geschrieben) haben manches mit der Stimmung in diesem Satz der Sonate KV 280 gemeinsam. Die Tonart F-Dur dürfte Mozart also wohl gewisse charakteristische Ideen eingegeben haben, auch wenn sich rein zeitlich gesehen hier ein sehr weiter Bogen spannt. Besonders reizvoll ist der Gegensatz innerhalb der Hauptthemengruppe zwischen den Achtel- und den Sechzehntel-Bewegungen in den ersten 12 Takten und den durchgehenden Triolen in den darauffolgenden 14 Takten.

ZWEITER SATZ Einen der schönsten Sätze im gesamten Zyklus stellt der Mittelsatz dieser Sonate dar, ein f-Moll-Adagio im Siziliano-Rhythmus. Hier wird die zeitliche Nähe zur sogenannten „kleinen“ g-Moll-Sinfonie KV 183 spürbar. Aber noch deutlicher erkennbar ist die Verwandtschaft mit Haydns Mittelsatz der F-Dur-Sonate Hob. XVI/23, ebenfalls im Siziliano-Rhythmus und in der gleichen Tonart f-Moll komponiert – die Anklänge im Thema sind unüberhörbar. Bei der Fortsetzung des Satzes drängt sich ebenfalls der Vergleich zwischen Haydn und Mozart auf: In beiden Stücken löst sich die ursprüngliche Siziliano-Klage in eine innige As-Dur-Melodie mit durchgehender Bewegung in der Begleitung auf. Aber bei Mozart sind es ruhige, gleichmäßige Sechzehntel, während es sich bei Haydn um etwas lebhaftere Triolen handelt. Mozarts Fluss ist dadurch ebenmäßiger und auch in diesem Dur-Teil persönlicher und trauriger in der Aussage – bereits ein echt zu Herzen gehendes, individuelles Bekenntnis. Nicht nur die Tempoanweisung Adagio zeigt, dass es sich bei Mozart um die ernste Form des „venezianischen Sizilianos“ handelt (ein berühmtes, früh entstandenes Beispiel für diesen „Siziliano“-Typ ist Bachs Arie „Erbarme Dich…“ aus der Matthäuspassion); und damit spannt sich eine Brücke von diesem Anfangsthema Mozarts zu dem unendlich traurigen Mittelsatz des A-Dur-Konzerts KV 488.

DRITTER SATZ Das Finale führt dann wieder in die fröhliche Stimmung des Stirnsatzes von KV 281 zurück. Es ist ein Presto im Dreiviertel-Takt, das erneut an Haydn erinnert, auch wenn es im Verhältnis zu den Haydn’schen Vorbildern pianistisch feiner und kontrastreicher konzipiert wirkt und der Satz auch ausgedehnter ist als die meisten Haydn-Stücke dieser Art.

Paul und Eva Badura-Skoda

Weitere Informationen
YouTube-Empfehlung: Karl Engel, Satz 1-3

Hörbeispiel: Maria João Pires
Deutsche Grammophon 028947752004GB6

1040.mp3

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