Tasteninstrumente > Klavier zu zwei Händen
Wolfgang Amadeus Mozart
Klaviersonate F-dur KV 533/494
Herausgeber: Ernst Herttrich
Fingersatz: Hans-Martin Theopold
8,50 €
Urtextausgabe, broschiert
Ausführlicher Kritischer Bericht
(nicht in der Druckausgabe enthalten)
zum kostenlosen Download
Seiten: 25 (V, 20), Größe 23,5 x 31,0 cm
Bestell-Nr. HN 1041 · ISMN M-2018-1041-6
Schwierigkeitsgrad (Klavier): schwer (Stufe 7)
Mozart setzte diese Sonate aus zwei zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Teilen zusammen. Das Rondo KV 494 stammt aus dem Jahr 1786. Erst im Januar 1788 komponierte Mozart die beiden Stücke KV 533 und gab die drei Sätze bei Hoffmeister in Wien als Sonate heraus. Dafür überarbeitete er das Rondo allerdings grundlegend und fügte einen kleinen fugierten Abschnitt ein - vielleicht, um das Finale den beiden anderen Sätzen anzunähern. Das Werk zeigt in seiner endgültigen Gestalt, wie intensiv Mozart sich damals mit dem Stil Bachs und Händels befasst hatte. Diese bereits im Gesamtband vorliegende Sonate bieten wir nun in einer attraktiven Einzelausgabe mit einem neuen Vorwort des Herausgebers.
Nach der Komposition der großen c-Moll-Sonate änderte sich Mozarts Sonaten-Stil. Seine Ausdrucksweise verrät nun eine größere Subtilität. Auch eine größere Vorliebe für polyphone Stimmführung zeichnet vor allem die beiden ersten Sätze dieser F-Dur-Sonate aus. Diesen Sätzen, die 1788 entstanden, fügte Mozart das ein Jahr zuvor komponierte Rondo KV 494 als Schluss-Satz hinzu und änderte dabei nur den Schluss.
ERSTER SATZ Der außergewöhnliche erste Satz dieser F-Dur-Sonate beginnt eher konventionell. Wenn man nur die ersten vier Takte hört, würde man kaum glauben, dass aus diesem scheinbar unergiebigen Thema doch ein sehr bedeutender Sonaten-Satz entstehen kann. Das kontrapunktische Spiel mit diesen scheinbar unbedeutenden Motiven ist es vermutlich gewesen, das Mozart bei der Komposition zu fesseln schien und auf dem er eine spannungsvolle Durchführung aufzubauen wusste. Die Reprise bringt als zusätzliche Überraschung eine Modulation in entfernte Moll-Tonarten.
ZWEITER SATZ Ein wunderbar tiefes, resignierend melancholisches Stück ist der zweite Satz, ein Andante; er ist sicherlich der wertvollste Satz dieser Sonate und gehört ohne Zweifel zu den schönsten Instrumentalsätzen Mozarts. Im Gegensatz zum ersten Satz spannt sich hier über die ganze erste Themengruppe ein großer melodischer Bogen, der überhaupt nicht aufzuhören scheint, bis zum Halbschluss in Takt 22. Die scharfe Dissonanz in Takt 2 des Themas löst sich schnell in eine warm klingende B-Dur-Kadenz auf und drückt einen Hauch von Resignation aus. Die polyphonische Stimmführung in diesem Satz ist bemerkenswert, und die dissonante Vorhalte gegen Ende der Durchführung (Takt 60-72) haben Musiker des 19. Jahrhunderts stets überrascht und verwundert. Sogar heute können wir noch die harmonische Kühnheit dieser dramatischen Vorhalte bewundern und als sehr ungewöhnlich empfinden.
Paul und Eva Badura-Skoda
Weitere Informationen
YouTube-Empfehlung: Emil Gilels
Satz 1
Satz 2
Satz 3
Hörbeispiel: Maria João Pires
Deutsche Grammophon 028947752004GB6
Die Schwierigkeitsgrade der
Klaviermusik im G. Henle Verlag
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| leicht | mittel | schwer | ||||||
Die Schwierigkeitsgrade der Klaviermusik im G. Henle Verlag
| Stufe | Grad | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | leicht | Bach, Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, Nr. 4 und 5 |
| 2 | Bach, Wohltemperiertes Klavier I, Nr. 1 Präludium C-dur | |
| 3 | Beethoven, Klaviersonaten op. 49,1 und 2 | |
| 4 | mittel | Grieg, Lyrische Stücke op. 12, Nr. 4 |
| 5 | Schumann, Fantasiestücke op. 12, Nr. 1 | |
| 6 | Chopin, Nocturnes op. 27, Nr. 1 und 2 | |
| 7 | schwer | Beethoven, Klaviersonate op. 10, Nr. 3 |
| 8 | Beethoven, Klaviersonate op. 81a | |
| 9 | Schumann, Toccata op. 7 |
Schwierigkeitsgrade als Leitfaden
„Was heißt schon ‚schwer‘? Entweder man kann spielen oder man kann nicht spielen“ – so die lapidare Bemerkung des großen Geigers Nathan Milstein, angesprochen auf die unglaublichen Schwierigkeiten der Capricen op. 1 von Niccolo Paganini.
Sofort wird damit die Relativität von „Schwierigkeitsbewertungen“ in der Musik deutlich. Ich stelle mich dennoch gerne dieser großen Herausforderung, die der G. Henle Verlag an mich herangetragen hat. Denn ich weiß von vielen Kollegen und aus eigener Erfahrung, wie hilfreich solch ein Leitfaden sein kann. Vor allem, um „passende“ Stücke aufzufinden. Zum Beispiel für Instrumentallehrer, die auf den unterschiedlichsten Ebenen unterrichten, vom Anfänger bis zur Vorbereitung auf die Hochschulen, aber auch für alle interessierten Laien, denen ein solcher Leitfaden helfen will.
Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für neun Schwierigkeitsgrade, die ich in drei Gruppen unterteilt habe: 1–3 (leicht), 4–6 (mittel), 7–9 (schwer). In die Schwierigkeitsgrad-Bewertung fließen dabei möglichst viele Parameter ein. Ich bewerte nicht allein die Anzahl von schnell oder langsam zu spielenden Noten oder von Akkordfolgen; ganz entschieden wichtig sind darüber hinaus die Komplexität der Faktur eines Stückes, die Kompliziertheit seiner Rhythmik, die Schwierigkeit der Lesbarkeit beim ersten Erfassen des Notentextes und nicht zuletzt, wie leicht oder wie schwer es ist, die musikalische Struktur des Stückes zu erfassen. Als „Stück“ definiere ich dabei die musikalische Einheit etwa einer Sonate oder eines Einzelstücks im Zyklus, weshalb zum Beispiel Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ Band 1 insgesamt 48 Schwierigkeitsgrade enthält (jedes Präludium und jede Fuge separat), Schumanns fis-moll-Sonate op. 11 jedoch nur eine einzige Ziffer. Maßstab meiner Bewertung ist die vorspielreife Darbietung eines Stücks.
Während der Bewertungsarbeit hat sich herausgestellt, dass der Bereich der mittleren Schwierigkeitsgrade (4–6) am heikelsten ist. Hin und wieder führt das dazu, dass ein Stück zum Beispiel mit der Kategorie „3/4“ zu bewerten ist, obwohl es allein vom Klaviertechnischen her eine „3“ verdient hätte. Als Beispiel für solch eine „Grenzüberschreitung“ (leicht/mittel) diene das erste Stück der Schumannschen „Kinderszenen“ op. 15 Von fremden Ländern und Menschen oder in die andere Richtung „6/7“ ein Teil der Bachschen „Englischen Suiten“. Und selbstverständlich gibt es auch innerhalb einer Hauptkategorie „Von-bis“-Wertungen (z. B. 7/8).
Jedwede Bewertung von Kunst und Musik bleibt selbst bei Vorgabe größter Objektivität immer subjektiv. Bei aller Sorgfalt, um die ich mich bemüht habe, bin ich mir im tiefsten Inneren durchaus der Anfechtbarkeit des Ergebnisses meiner Arbeit im Klaren, so dass ich für Anregungen jederzeit dankbar bin.
Prof. Rolf Koenen © 2010

