Tasteninstrumente > Klavier zu zwei Händen
Wolfgang Amadeus Mozart
Klaviersonate C-dur KV 309 (284b)
Herausgeber: Ernst Herttrich
Fingersatz: Hans-Martin Theopold
8,50 €
Urtextausgabe, broschiert
Ausführlicher Kritischer Bericht
(nicht in der Druckausgabe enthalten)
zum kostenlosen Download
Seiten: 25 (V, 20), Größe 23,5 x 31,0 cm
Bestell-Nr. HN 1065 · ISMN M-2018-1065-2
Schwierigkeitsgrad (Klavier): mittel (Stufe 5)
„Ich will es ganz nach den Caractére der Mad:selle Rose machen“, antwortete Mozart auf die Nachfrage, wie er das Andante seiner C-dur-Sonate anzulegen gedenke. Im Herbst 1777 hatte er in Mannheim Rosina Cannabich kennengelernt und ihr die für sie komponierte Sonate KV 309 auch gleich im Unterricht nahegebracht, sodass sie diese im Dezember 1777 nach Meinung ihres Lehrers bereits „fortreflich“ vortrug. Damit ihr viele Schüler folgen mögen, legen wir auch dieses bisher nur in den Gesamtbänden (HN 1 und 3) erhältliche Kleinod Mozart’scher Klavierkunst nun in einer mit neuem Vorwort des Herausgebers ausgestatteten Einzelausgabe vor.
ERSTER SATZ Der erste Satz dieser Sonate in C-Dur ist geradezu ein Muster einer regelgetreuen „Lehrbuch“-Sonatenform. Mit der Sonatenform ist es ja ähnlich wie mit den Fugen Bachs: es gibt in den Werken der Meister keine formalen Schemata, sondern jede Sonate wandelt eine geeignetes formales Grundprinzip neu ab. Mozart hat es dabei – anders als der erfinderfreudige Haydn – verstanden, an gewissen Grundideen streng festzuhalten und trotzdem nicht in der Freizügigkeit seines Schaffens gehindert zu sein. Es gibt zum Beispiel keine einzige Sonate in einer Dur-Tonart, deren Seitenthema nicht auch tatsächlich als „Thema“ (allerdings im weitesten Sinn des Wortes) bezeichnet werden kann und das in einer anderen Tonart als der Dominate steht. Eine kurze Formanalyse mag angebracht sein um zu zeigen, wie ein „klassischer“ Sonatensatz Mozarts gebaut ist, und der erste Satz der Sonate KV 309 ist wie kein anderer dazu geeignet. Das Hauptthema, das mit einem markanten Themenkopf beginnt, dem eine „Antwort“ von vier Takten folgt, ist deutlich erkennbar. Das Motiv der fallende Quarte und aufsteigenden Sexte ist ein Lieblingsgedanke Mozarts, den er oft in Dur oder in Moll verwendete und mit dem viele seiner Themen beginnen (zum Beispiel Sonate KV 311, das h-Moll-Adagio KV 540, die Symphonien KV 114, 124 und 319/II, KV 551/II usw.). Die sieben Takte des Themas werden – wie so oft in dieser Zeit – leicht variiert noch einmal gebracht, und eine Art Abgesang schließt die erste Themengruppe in Takt 21 ab. Ein neuer Gedanke dient als Überleitung, dem in Takt 35, ähnlich wie im ersten Satz der Sonate KV 545, nach zwei Takten Vorbereitung ein zweites kantables Thema in der Dominanttonart G-Dur folgt, das aus 2 x 4 Takten besteht, also ebenfalls wiederholt wird und in eine temperamentwolle Schlussgruppe mit Passagenwerk übergeht (Takt 43), wobei der Takt 45 eine reizvolle Diminution der Takt 35/36 bringt. Fünf Takte einer „Codetta“ beschließen die Exposition. Die Durchführung bringt den Themenkopf zunächst in g-Moll und verarbeitet dann die verschiedenen Gedanken des Hauptthemas wie es zwar den Lehrbuchregeln einer Sonatenform entspricht, bei Mozart in der Praxis aber gar nicht so häufig vorkommt. Nach zweimaliger Zitierung des Themenkopfes setzt dann in Takt 94 die Reprise endgültig ein, wobei als Überraschung der Stimmtausch im einfachen Seitenthema geboten wird. Der Satz schließt nach einer nochmaligen Anführung des Themenkopfes mit einer wirkungsvollen Schlussbekräftigung.
ZWEITER SATZ Der zweite Satz dieser Sonate ist ein inniges Andante un poco adagio, und auf ihn bezieht sich höchstwahrscheinlich eine Bemerkung Mozarts, er habe „das Andante ganz nach dem Charakter der Mademoiselle Rose Cannabich“ machen wollen. „Wie das Andante, so ist sie … ein sehr schönes artiges Madl. Sie hat für ihr alter sehr viell vernunft und gesetztes weesen; sie ist seriös, redet nicht viell, was sie aber redet, geschieht mit anmuth und freundlichkeit“.
DRITTER SATZ Ein graziöses, hübsches einfach fließendes Rondo beschließt diese Sonate.
Paul und Eva Badura-Skoda
Weitere Informationen
YouTube-Empfehlung: Claudio Arrau, Satz 3
Hörbeispiel: Maria João Pires
Deutsche Grammophon 028947752004GB6
Die Schwierigkeitsgrade der
Klaviermusik im G. Henle Verlag
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| leicht | mittel | schwer | ||||||
Die Schwierigkeitsgrade der Klaviermusik im G. Henle Verlag
| Stufe | Grad | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | leicht | Bach, Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, Nr. 4 und 5 |
| 2 | Bach, Wohltemperiertes Klavier I, Nr. 1 Präludium C-dur | |
| 3 | Beethoven, Klaviersonaten op. 49,1 und 2 | |
| 4 | mittel | Grieg, Lyrische Stücke op. 12, Nr. 4 |
| 5 | Schumann, Fantasiestücke op. 12, Nr. 1 | |
| 6 | Chopin, Nocturnes op. 27, Nr. 1 und 2 | |
| 7 | schwer | Beethoven, Klaviersonate op. 10, Nr. 3 |
| 8 | Beethoven, Klaviersonate op. 81a | |
| 9 | Schumann, Toccata op. 7 |
Schwierigkeitsgrade als Leitfaden
„Was heißt schon ‚schwer‘? Entweder man kann spielen oder man kann nicht spielen“ – so die lapidare Bemerkung des großen Geigers Nathan Milstein, angesprochen auf die unglaublichen Schwierigkeiten der Capricen op. 1 von Niccolo Paganini.
Sofort wird damit die Relativität von „Schwierigkeitsbewertungen“ in der Musik deutlich. Ich stelle mich dennoch gerne dieser großen Herausforderung, die der G. Henle Verlag an mich herangetragen hat. Denn ich weiß von vielen Kollegen und aus eigener Erfahrung, wie hilfreich solch ein Leitfaden sein kann. Vor allem, um „passende“ Stücke aufzufinden. Zum Beispiel für Instrumentallehrer, die auf den unterschiedlichsten Ebenen unterrichten, vom Anfänger bis zur Vorbereitung auf die Hochschulen, aber auch für alle interessierten Laien, denen ein solcher Leitfaden helfen will.
Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für neun Schwierigkeitsgrade, die ich in drei Gruppen unterteilt habe: 1–3 (leicht), 4–6 (mittel), 7–9 (schwer). In die Schwierigkeitsgrad-Bewertung fließen dabei möglichst viele Parameter ein. Ich bewerte nicht allein die Anzahl von schnell oder langsam zu spielenden Noten oder von Akkordfolgen; ganz entschieden wichtig sind darüber hinaus die Komplexität der Faktur eines Stückes, die Kompliziertheit seiner Rhythmik, die Schwierigkeit der Lesbarkeit beim ersten Erfassen des Notentextes und nicht zuletzt, wie leicht oder wie schwer es ist, die musikalische Struktur des Stückes zu erfassen. Als „Stück“ definiere ich dabei die musikalische Einheit etwa einer Sonate oder eines Einzelstücks im Zyklus, weshalb zum Beispiel Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ Band 1 insgesamt 48 Schwierigkeitsgrade enthält (jedes Präludium und jede Fuge separat), Schumanns fis-moll-Sonate op. 11 jedoch nur eine einzige Ziffer. Maßstab meiner Bewertung ist die vorspielreife Darbietung eines Stücks.
Während der Bewertungsarbeit hat sich herausgestellt, dass der Bereich der mittleren Schwierigkeitsgrade (4–6) am heikelsten ist. Hin und wieder führt das dazu, dass ein Stück zum Beispiel mit der Kategorie „3/4“ zu bewerten ist, obwohl es allein vom Klaviertechnischen her eine „3“ verdient hätte. Als Beispiel für solch eine „Grenzüberschreitung“ (leicht/mittel) diene das erste Stück der Schumannschen „Kinderszenen“ op. 15 Von fremden Ländern und Menschen oder in die andere Richtung „6/7“ ein Teil der Bachschen „Englischen Suiten“. Und selbstverständlich gibt es auch innerhalb einer Hauptkategorie „Von-bis“-Wertungen (z. B. 7/8).
Jedwede Bewertung von Kunst und Musik bleibt selbst bei Vorgabe größter Objektivität immer subjektiv. Bei aller Sorgfalt, um die ich mich bemüht habe, bin ich mir im tiefsten Inneren durchaus der Anfechtbarkeit des Ergebnisses meiner Arbeit im Klaren, so dass ich für Anregungen jederzeit dankbar bin.
Prof. Rolf Koenen © 2010

