Tasteninstrumente > Klavier zu zwei Händen
Wolfgang Amadeus Mozart
Klaviersonate Es-dur KV 282 (189g)
Herausgeber: Ernst Herttrich
Fingersatz: Hans-Martin Theopold
6,00 €
Urtextausgabe, broschiert
Ausführlicher Kritischer Bericht
(nicht in der Druckausgabe enthalten)
zum kostenlosen Download
Seiten: 13 (V, 8), Größe 23,5 x 31,0 cm
Bestell-Nr. HN 60 · ISMN M-2018-0060-8
Schwierigkeitsgrad (Klavier): mittel (Stufe 5)
ERSTER SATZ Diese Sonate fällt dadurch auf, dass sie – ebenso wie KV 331 – nicht mit einem lebhaften oder schnellen Satz beginnt, immerhin allerdings anders als die A-Dur-Sonate mit einem Satz in Sonatenform, einem lyrischen Adagio, das mit einem ausdrucksvollen dreitaktigen Thema in polyphon geführtem dreistimmigen Satz anfängt. Dieser Gedanke fehlt in der Reprise und kehrt erst in der Coda wieder. Der „Themen“-Nachsatz ist ein zwar andersgearteter, aber ebenfalls melodiöser Gedanke, der zweimal auf verschiedenen Stufen wiederholt wird und danach zu einem Halbschluss auf der Dominante führt. Ein graziöses „Seitenthema“ (wenn man es so nennen will) setzt in Takt 9 ein. Es ist eigentlich nur ein zweiteiliges Motiv, das wiederholt wird, um unmerklich in die Schlussgruppe zu gleiten. Die kurze Durchführung beginnt mit dem abgewandelten Kopfmotiv und einem spannungsgeladenen Sekundakkord, dem zwei dramatisch wirksame kurze Crescendo-Steigerungen folgen. Trotz seiner kleinen Dimensionen ist dieser Satz ein echtes, meisterhaftes Mozart’sches Stück, formvollendet und ausdrucksvoll. Mozart hat ihn selbst auch ungewöhnlich sorgfältig mit Artikulationszeichen und dynamischen Hinweisen versehen, die natürlich Beachtung verdienen, wobei allerdings nicht vergessen werden darf, dass die Lautstärke dem zur graziösen Rokoko-Zeit üblichen Rahmen angepasst werden sollte.
ZWEITER SATZ Diesem lyrischen Adagio folgt als Kontrast ein fröhliches Menuett, dessen Trio – als Menuett II bezeichnet – verhältnismäßig ausgedehnt ist und etwas für Mozart selten „Urwüchsig-Volkstümliches“ zeigt, womit es deutlich an österreichische Tanz-Traditionen anknüpft. (Auch Beethoven hat übrigens in seiner Sonate op. 49 Nr. 2 oder in seinem Septett op. 20 ähnliche Menuette geschrieben).
DRITTER SATZ Der letzte Satz, ein lebhaftes, frisches, aber doch graziöses Allegro im Zweivierteltakt und in Sonatenform beschließt diese originelle und trotz ihres bescheidenen Umfanges zu Recht als Meisterwerk geltende Sonate.
Paul und Eva Badura-Skoda
Weitere Informationen
YouTube-Empfehlung: Samuel Feinberg, Satz 1
Hörbeispiel: Maria João Pires
Deutsche Grammophon 028947752004GB6
Die Schwierigkeitsgrade der
Klaviermusik im G. Henle Verlag
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| leicht | mittel | schwer | ||||||
Die Schwierigkeitsgrade der Klaviermusik im G. Henle Verlag
| Stufe | Grad | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | leicht | Bach, Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, Nr. 4 und 5 |
| 2 | Bach, Wohltemperiertes Klavier I, Nr. 1 Präludium C-dur | |
| 3 | Beethoven, Klaviersonaten op. 49,1 und 2 | |
| 4 | mittel | Grieg, Lyrische Stücke op. 12, Nr. 4 |
| 5 | Schumann, Fantasiestücke op. 12, Nr. 1 | |
| 6 | Chopin, Nocturnes op. 27, Nr. 1 und 2 | |
| 7 | schwer | Beethoven, Klaviersonate op. 10, Nr. 3 |
| 8 | Beethoven, Klaviersonate op. 81a | |
| 9 | Schumann, Toccata op. 7 |
Schwierigkeitsgrade als Leitfaden
„Was heißt schon ‚schwer‘? Entweder man kann spielen oder man kann nicht spielen“ – so die lapidare Bemerkung des großen Geigers Nathan Milstein, angesprochen auf die unglaublichen Schwierigkeiten der Capricen op. 1 von Niccolo Paganini.
Sofort wird damit die Relativität von „Schwierigkeitsbewertungen“ in der Musik deutlich. Ich stelle mich dennoch gerne dieser großen Herausforderung, die der G. Henle Verlag an mich herangetragen hat. Denn ich weiß von vielen Kollegen und aus eigener Erfahrung, wie hilfreich solch ein Leitfaden sein kann. Vor allem, um „passende“ Stücke aufzufinden. Zum Beispiel für Instrumentallehrer, die auf den unterschiedlichsten Ebenen unterrichten, vom Anfänger bis zur Vorbereitung auf die Hochschulen, aber auch für alle interessierten Laien, denen ein solcher Leitfaden helfen will.
Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für neun Schwierigkeitsgrade, die ich in drei Gruppen unterteilt habe: 1–3 (leicht), 4–6 (mittel), 7–9 (schwer). In die Schwierigkeitsgrad-Bewertung fließen dabei möglichst viele Parameter ein. Ich bewerte nicht allein die Anzahl von schnell oder langsam zu spielenden Noten oder von Akkordfolgen; ganz entschieden wichtig sind darüber hinaus die Komplexität der Faktur eines Stückes, die Kompliziertheit seiner Rhythmik, die Schwierigkeit der Lesbarkeit beim ersten Erfassen des Notentextes und nicht zuletzt, wie leicht oder wie schwer es ist, die musikalische Struktur des Stückes zu erfassen. Als „Stück“ definiere ich dabei die musikalische Einheit etwa einer Sonate oder eines Einzelstücks im Zyklus, weshalb zum Beispiel Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ Band 1 insgesamt 48 Schwierigkeitsgrade enthält (jedes Präludium und jede Fuge separat), Schumanns fis-moll-Sonate op. 11 jedoch nur eine einzige Ziffer. Maßstab meiner Bewertung ist die vorspielreife Darbietung eines Stücks.
Während der Bewertungsarbeit hat sich herausgestellt, dass der Bereich der mittleren Schwierigkeitsgrade (4–6) am heikelsten ist. Hin und wieder führt das dazu, dass ein Stück zum Beispiel mit der Kategorie „3/4“ zu bewerten ist, obwohl es allein vom Klaviertechnischen her eine „3“ verdient hätte. Als Beispiel für solch eine „Grenzüberschreitung“ (leicht/mittel) diene das erste Stück der Schumannschen „Kinderszenen“ op. 15 Von fremden Ländern und Menschen oder in die andere Richtung „6/7“ ein Teil der Bachschen „Englischen Suiten“. Und selbstverständlich gibt es auch innerhalb einer Hauptkategorie „Von-bis“-Wertungen (z. B. 7/8).
Jedwede Bewertung von Kunst und Musik bleibt selbst bei Vorgabe größter Objektivität immer subjektiv. Bei aller Sorgfalt, um die ich mich bemüht habe, bin ich mir im tiefsten Inneren durchaus der Anfechtbarkeit des Ergebnisses meiner Arbeit im Klaren, so dass ich für Anregungen jederzeit dankbar bin.
Prof. Rolf Koenen © 2010

