Schumann-Jahr 2010

Schumann Forum 2010

Schwierigkeitsgrade

von Wolf-Dieter Seiffert
Geschäftsführer G. Henle Verlag

15. Juli

 

Wie „schwierig“ sind eigentlich Schumanns Klavierwerke zu spielen? Rein klaviertechnisch, aber auch musikalisch? Ich vermute, die Antwort dürfte ziemlich ähnlich ausfallen, würde ich Ihnen, liebe Klavier spielende Leser, diese Frage stellen. Das meiste von Schumann richtet sich wohl doch ausschließlich an den sehr geübten Pianisten, nur weniges dürfte von Anfängern zu bewältigen sein, selbst mit viel Üben. Ich wollte es einmal genauer wissen und fragte den ungemein erfahrenen Pianisten und (Berliner) Hochschulprofessor Rolf Koenen. Aus der Anfangsidee, Schumanns Klavierwerke in Schwierigkeitsgrade aufzugliedern, wurde eine umfassende Aufgabenstellung: Rolf Koenen ist nämlich inzwischen dabei, den gesamten Klavierkatalog des G. Henle Verlag zu bewerten, nach Schwierigkeitsstufen von 1 (= sehr leicht) bis 9 (= sehr schwer). Professor Koenen wird bis Ende des Schumann-Chopin-Jahres 2010 durch das Repertoire vieler tausend Einzelsätze durch sein. Bereits heute können wir allen unseren Homepage-Besuchern einen Großteil davon anbieten, allem voran natürlich das Gesamtwerk Schumanns und Chopins.

Wie finden Sie die Schwierigkeitsgrade des Henle-Katalogs? Ganz einfach. Sie gehen in die Rubrik „Katalog“, wählen einen Komponisten und/oder ein Werk aus (z. B. Schumann, Album für die Jugend), und klicken darauf. In der Unterrubrik „Schwierigkeitsgrade“ (und unter „Inhalt“) erhalten Sie eine Übersicht über den genauen Inhalt des gewählten Bandes (in unserem Beispiel alle Einzelstücke des „Album für die Jugend“) mit dem jeweiligen Schwierigkeitsgrad, wie ihn Rolf Koenen für uns festgelegt hat. Neben dem Grad finden Sie auch einen „Informations“-Knopf, der Sie zu der Skala von 1–9 führt.

Prof. Rolf Koenen

Außerdem finden Sie an derselben Stelle auch eine kurze Erläuterung von Rolf Koenen, wie er die Skala von 1–9 verstanden wissen möchte und was sie bedeutet. Ich habe mit Herrn Koenen ein Interview (auf Deutsch) geführt und ihn zu seiner so wertvollen, aber auch zeitintensiven Arbeit befragt. Er erläutert darin auch, welche Werke er mit ihren Einzelstücken bewertet hat und welche Werke er als Einheit sieht, die er dann mit einem einzigen Grad bewertet. Wir im Henle Verlag sind Rolf Koenen für seine wertvolle Arbeit außerordentlich dankbar. Und ich bin mir sicher, dass viele Musiklehrer, ob auf privater oder institutioneller Seite, aber auch Liebhaber diese Bewertung des Klavierrepertoires nach Schwierigkeit der Aufführung sehr gerne und mit großem Nutzen annehmen werden. Klicken Sie doch auf folgenden Link, um sich das informative Gespräch anzuhören:

interview_koenen.mp3

Kommen wir zurück zu Robert Schumanns Klavierwerken. Wie schwierig sind sie nun? Gibt es darunter auch etwas Lohnendes für mich, den Amateur? Oder ist alles „unspielbar“ schwer? Nun, ich bin zur Beantwortung der Frage auf die Homepage des Henle-Verlags gegangen und habe im Online-Katalog bei „Komponist“ Schumann und bei „Instrument“ Klavier zu zwei Händen eingegeben. Es zeigt sich ein erfreuliches Bild für den einigermaßen begabten Klavierspieler. Klar, sehr viele Werke (darunter die bekannten Zyklen) rangieren im Schwierigkeitsgrad „sehr schwer“ (= 7-9). Andererseits: Es finden sich auch einige wenige „leichte“ Sachen nicht nur im „Album für die Jugend“ op. 68, sondern auch in den „Kinderszenen“ op. 15 (Nr. 1 und 13), die „Kindersonate“ op. 118, Nr. 1 ist „leicht“ (Grad 3), das Wiegenliedchen und das Larghetto aus den „Albumblättern“ op. 124. Das war’s allerdings auch schon im „leichten“ Bereich. Die Überraschung (für mich jedenfalls) ist die interessante Fülle von „mittelschweren“ Stücken Schumanns (also die Kategorie 4–6). Hier findet sich manch Stück, das der ambitionierte Laie durchaus bewältigen kann, und vor allem, mit Freude spielen kann. Ich nenne im folgenden die Stücke:

  • die „Papillons“ op. 2 (Schwierigkeitsgrad 6)
  • die „Intermezzi“ op. 4
  • ein Teil der Fantasiestücke op. 12
  • im wesentlichen die „Kinderszenen“ op. 15
  • die wunderbare „Arabeske“ op. 18
  • das „Blumenstück“ op. 19
  • das mittlere Stück aus den „3 Romanzen“ op. 28
  • etliches aus dem „Album für die Jugend“ op. 68
  • die „Waldszenen“ op. 82
  • der überwiegende Teil aus den „Bunten Blättern“ op. 99
  • die „Kindersonaten“ op. 118, Nr. 2 und 3
  • der überwiegende Teil der „Albumblätter“ op. 124
  • und schließlich die „Sieben Klavierstücke in Fughettenform“ op. 126

Da ist doch sicher einiges darunter, das sich für uns lohnt!

Mehr als „lohnen“ tut sich auch die folgende Einspielung. Ich fand sie ganz aktuell eingestellt auf YouTube: András Schiff spielt in einem Konzert die „Papillons“ op. 2, geschnitten in zwei Takes:

[Videos leider nicht mehr verfügbar]

Besuchen Sie uns wieder im August. Für uns der Liedermonat. Sie werden insbesondere dem „Liederkreis“ op. 39 begegnen, der „Mondnacht“ und Edith Wiens, Christian Gerhaher und Gerold Huber. Bis dahin grüße ich herzlich!

 

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