Gounod kannte keine Scheu, bekannte Werke früherer Meister auf seine ganz eigene Art einzurichten. So ergänzte er 1852 zu den berühmten Akkordbrechungen des C-dur-Präludiums BWV 846 aus Bachs Wohltemperiertem Klavier eine auf opernhafte Steigerung angelegte Melodie. Die zunächst als Méditation veröffentlichten Instrumentalfassungen wurden nacheinander mit unterschiedlichen Textierungen erprobt, bis sich 1859 mit „Ave Maria“ die definitive Vokalfassung ergab. Bereits in den 1890er-Jahren hieß es, man habe „diese süße Melodie von den besten Sängerinnen unzählige Male gehört“. Diese Popularität hält bis heute an – Grund genug, diesen Welterfolg auch auf Basis der Quellen ediert und kommentiert im Urtext des Henle Verlags vorzulegen.