Die Es-dur-Sonate Haydns ist gleich mit zwei großen Musikerinnen und Musikmetropolen verknüpft: Haydn komponierte sie laut Autograph 1794 in London für die dort gefeierte Pianistin Therese Jansen; der 1798 beim Wiener Verlag Artaria erschienene Erstdruck hingegen ist Magdalena von Kurzböck gewidmet, die damals zu den bedeutendsten Pianistinnen der K.-u.-k.-Metropole zählte. Haydn war mit beiden Musikerinnen persönlich bekannt, bei der Hochzeit Therese Jansens mit Gaetano Bartolozzi war er im Mai 1795 sogar Trauzeuge. Die in den frühen Drucken sogenannte „Grand Sonata“ macht ihrem Namen nicht nur in Umfang und technischem Anspruch alle Ehre, sondern auch im Tonfall. Dass dies öffentlichkeitwirksame Musik fürs Konzertpodium ist, stellt der Kopfsatz in seiner imponierenden Eröffnung gleich klar. Das (auch harmonisch nach E-dur!) „entrückte“ Adagio bildet den meditativen Ruhepunkt, bevor ein ungarisch angehauchtes Presto-Finale den Kehraus macht. Die vom Haydn-Spezialisten Georg Feder herausgegebene Urtextausgabe liefert den Notentext der Haydn-Gesamtausgabe, ergänzt mit einem Fingersatz von Hans-Martin Theopold.