Zu Joseph Haydns umfangreichem Werk gehört auch ein schier unerschöpflicher Vorrat an Klaviersonaten. Mit insgesamt über 50 Werken bilden sie einen gewichtigen Teil seines Gesamtœuvres. Dass er in diesen Sonaten – wie in vielen anderen Gattungen, z. B. den Sinfonien und den Streichquartetten – eine Brücke schlägt zwischen unterschiedlichen Stilepochen und zugleich den Grundstein legt für die klassische Klaviersonate, ist eine der großen Leistungen dieses Komponisten.
Band I enthält neben 25 vollständigen Sonaten im Anhang fünf Einzelsätze, die vielleicht einmal für Sonaten gedacht waren, und die Anfänge von sieben verschollenen Sonaten. Eine erste Gruppe von neun, wohl für den fortgeschrittene Schüler gedachten Sonaten entstand vermutlich in den 1750er-Jahren, als Haydn sich noch als Kammerdiener des Komponisten Nicola Porpora oder freischaffender Künstler durchschlagen musste. Bei manchen ist die Echtheit nicht ganz zweifelsfrei. Eine zweite Gruppe von ebenfalls neun, allerdings deutlich leichteren, „kleinen“ Sonaten führt dann schon in die 1760er-Jahre hinein. Die letzte Sonaten-gruppe des Bandes umfasst sieben Sonaten, die Haydn zwischen 1765 und 1772, also bereits während seiner Zeit als Kapellmeister des Fürsten Esterházy, komponierte. Sie sind bester Haydn, voller Überraschungseffekte und pianistischer Feinheiten.