Schuberts im Dezember 1820 begonnene Niederschrift eines neuen Streichquartetts sollte leider nicht über den Kopfsatz hinauskommen: Zu Beginn des 2. Satzes bricht das heftig überarbeitete Autograph ab. Aber das aus Schuberts Nachlass später an Johannes Brahms gelangte fragmentarische Werk begeisterte den neuen Besitzer nach einer ersten Aufführung im Jahr 1867 so sehr, dass Brahms den Kopfsatz drei Jahre später als „Nachgelassenes Werk“ Schuberts zur Veröffentlichung brachte – womit er diesem kammermusikalischen Kleinod den Weg in die Herzen des Publikums bahnte. Schuberts Autograph bietet so zahlreiche Divergenzen in Dynamik und Artikulation, dass Herausgeber Egon Voss darin ein Experimentieren Schuberts mit Varianten vermutet. Daher geht er in seiner Urtextausgabe mit Ergänzungen und Änderungen nach Parallelstellen höchst zurückhaltend vor – und macht Schuberts Ideenvielfalt so auch für die ausführenden Musiker nachvollziehbar. Für alle, die einmal in Schuberts Werkstatt schauen wollen, gibt es die wenigen Takte zum 2. Satz als Dreingabe!