Der Titel von Ravels Miroirs (1904/05) lässt sich als „Spiegelbilder“ der menschlichen Erlebniswelt interpretieren. Unter den Naturbildern des Zyklus erfreut sich „Une barque sur l’océan“ als pianistisches Gegenstück zu Debussys etwa zeitgleich entstandenem Orchesterwerk „La mer“ besonderer Beliebtheit. Die weiträumigen Arpeggien, über denen Klänge in Quinten, Quarten und Sekunden in subtilen Rhythmen schweben, malen eine maritime Genreszene ganz eigenen Zuschnitts: einerseits stilisiertes Abbild einer Wind und Wellen ausgesetzten Barke, andererseits Sinnbild des schwankenden menschlichen Lebens. Nach „Alborado del gracioso“ (HN 1295) legt der G. Henle Verlag damit ein weiteres Stück der „Miroirs“ als Einzelausgabe vor.