Faurés 2. Violinsonate entstand 1916 in Evian und Paris und bildete den Auftakt zu einer Reihe von Kammermusikwerken. Sie gehört somit zum Spätwerk Faurés, das sich durch Nüchternheit, Innerlichkeit und Ausdrucksintensität auszeichnet. Gegenüber dem brillant-ornamentalen Stil der 40 Jahre zuvor entstandenen, ganz auf konzertante Virtuosität angelegten 1. Violinsonate (HN 980) ist kaum ein größerer Gegensatz vorstellbar. Die 2. Sonate ist auf das Wesentliche konzentriert und entpuppt sich bei näherer Beschäftigung als faszinierende Komposition, die harmonisch die Grenzen der Tonalität auslotet und weit in die „Moderne“ der 1920er-Jahre vorausweist.