Die beiden 1815 entstandenen Sonaten Opus 102 stehen am Übergang zum klanglich oft herben Spätstil Beethovens. Ein Rezensent der Originalausgabe meinte 1818, sie „gehören ganz gewiss zum Ungewöhnlichsten und Sonderbarsten, was seit langer Zeit geschrieben worden ist.“ Ausgehend vom etablierten klassischen Schema lotet Beethoven Möglichkeiten der jeweils Änderung und Erweiterung der Sonatenform aus, die Opus 102 zum krönenden Abschluss seiner Cellowerke führen. In der D-dur-Sonate spiegelt sich Beethovens Beschäftigung mit der traditionellen Kontrapunktik: Lässt sich im Kopfsatz die raffinierte Kombination höchst unterschiedlicher Themen bewundern, so wird man im „Allegro fugato“-Teil des Finales Zeuge davon, wie Beethoven aus einem simplen Thema höchste Fugenkunst hervorzaubert. Die Urtextausgabe von Jens Dufner basiert auf seinen Arbeiten für den Kritischen Bericht der Beethoven-Gesamtausgabe und bietet somit einen Notentext auf höchstem wissenschaftlichem Niveau. In Vorwort und Kritischem Bericht erläutert er Entstehung und Quellenlage der Sonate. Ian Fountain und David Geringas liefern den Fingersatz.