Nicht erst zu Chopins und Liszts Zeiten war die Polonaise eine modische Tanzform. Bereits Johann Sebastian Bachs Sohn Wilhelm Friedemann führte den polnischen Nationaltanz auf einen frühen Gipfel. Seine zwölf Polonaisen waren seinerzeit so beliebt, dass sie in zahlreichen Handschriften überliefert wurden. Und so kann sich der Pianist hier an W. Fr. Bachs wohl gelungensten Klavierkompositionen überhaupt erfreuen. Farbig und wirkungsvoll geht es schrittweise aufsteigend durch die Tonarten. Eine Polonaise in Dur und in Moll stehen sich dabei jeweils gegenüber. Mit Elementen der sensiblen Empfindsamkeit betritt Bach mit seinen Polonaisen deutlich den Weg zum Charakterstück. Er spielte sie seinerzeit vermutlich auf dem Clavichord, dem zarten Lieblingsinstrument der „Empfindsamkeit“.