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Englands Pionier der neuen Brahms-Gesamtausgabe gestorben

Ohne ihn ist sie nicht denkbar: die „Neue Ausgabe sämtlicher Werke“ von Johannes Brahms, die im G. Henle Verlag erscheint und im Brahms-Forschungszentrum des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Kiel erarbeitet und redigiert wird. Der englische Brahms-Forscher Robert Pascall, der 1944 im nordwalisischen Colwyn Bay geboren wurde, gab hier die vier Symphonien einschließlich Brahms’ vierhändiger Arrangements heraus, die zwischen 1996 und 2013 in sieben umfangreichen Bänden der neuen Brahms-Gesamtausgabe im G. Henle Verlag (München) erschienen. Auf deren Grundlage wurden dann in Kooperation von G. Henle Verlag und dem Wiesbadener Verlag Breitkopf & Härtel neue Dirigierpartituren und Orchesterstimmen veröffentlicht. So setzen sich die von Pascall in Kooperation mit der Kieler Forschungsstelle minutiös erarbeiteten „historisch-kritischen“ Ausgaben auch im internationalen Musikleben durch. Sie liegen beispielsweise der seit 2017 erscheinenden Neueinspielung der Brahms-Symphonien durch die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und Paavo Järvi zugrunde.

Pascall, der an der Universität Oxford Musikwissenschaft und Orgel studierte, lehrte an den Universitäten Nottingham und Bangor (Wales) und war Ehrenprofessor der Universität Cambridge. Die neue Brahms-Gesamtausgabe förderte er auch als Stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins sowie als Mitglied des Beirates und war wesentlich an der Entwicklung des weltweit anerkannten Editionskonzeptes beteiligt. Zuletzt erarbeitete er für die neue Brahms-Gesamtausgabe eine Edition von Brahms’ Wiener Aufführungsfassungen Bach’scher Kantaten, die in absehbarer Zeit erscheinen soll.

Am 9. Juni verstarb Robert Pascall in Nottingham (England) im Alter von 74 Jahren. Der G. Henle Verlag, das Kieler Brahms-Forschungszentrum und die internationale Musikwissenschaft trauern um einen großen, inspirierenden Brahms-Forscher.


Dr. Michael Struck

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