Dvořáks „Gran Partita“? Zum mutmaßlichen Vorbild der Bläserserenade d-moll op. 44

Bereits in meinem letzten Blogbeitrag berichtete ich von unserer jüngst erschienenen Neuausgabe der Bläserserenade op. 44 von Antonín Dvořák (HN 1234) und stellte vor allem einige Details der Besetzung in den Mittelpunkt, zu denen die autographen Quellen und zeitgenössischen Konzertberichte interessante Aufschlüsse geben. Doch wieso entschied sich Dvořák überhaupt für ein so ungewöhnliches Ensemble von 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotten plus Kontrafagott, 3(!) Hörnern sowie Cello und Kontrabass? Denn im Entstehungsjahr 1878 war die Blütezeit der großbesetzten Harmoniemusiken längst Vergangenheit, und auch wenn insbesondere Böhmen mit Komponisten wie Krommer, Mysliveček, Vanhal, Družecký, Neubauer, Fiala, Dušek u.v.m. zahllose Beiträge zu diesem Repertoire geliefert hatte, ist es unwahrscheinlich, dass Dvořák diese Werke kannte und je gehört hatte. Weiterlesen

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Ignaz Pleyel – kein Neuling im Henle-Katalog

Es gehört zu den wundersamen Wendungen der Musikgeschichte, dass der um die Wende zum 19. Jahrhundert so überaus berühmte und populäre Komponist Ignaz Pleyel heute auf den Konzertbühnen der Welt nicht mehr zuhause ist – seine Musik gehört praktisch nicht mehr zum Repertoire. Dagegen hören wir sie doch gelegentlich im Stadtzentrum dargeboten von Straßenmusikern, denn sie wirkt heute vor allem gefällig, manchmal auch spritzig, und füllt damit wie damals den Geldbeutel. Grund genug, sich mit Pleyel in unserer Urtext-Reihe „Leichte Spielmusik“ intensiver zu beschäftigen. Weiterlesen

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Gis oder G? Zu einem Bass-Triller in Schuberts As-dur-Impromptu D 935, Nr. 2

Franz Schuberts Klaviermusik ist ein schier unendlich-magisches Wunderreich. Auf kleinstem Raum kann er bekanntlich auf verblüffende Weise in harmonisch entlegenste Bereiche modulieren – und wieder zurück. So auch im vielgespielten Impromptu in As-dur D 935, Nr. 2. Dessen Mittelteil in Des-dur gehört seit jeher zu meinen absoluten Schubert-Lieblingsstellen. Immer läuft mir ein wohliger Schauer über den Rücken, wenn der sanfte Triolen-Abschnitt mit der darin versteckten Melodie beginnt: Weiterlesen

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Sommerpause

Sommer ist Urlaubszeit und auch unser Blog macht eine kurze Pause. Heimisches Campen mit unserem Henle-Bus liegt dieses Jahr im Trend. Also los geht’s! Unsere Autoren überlegen sich schon neue, spannende Themen für kommende Artikel. Freuen Sie sich also auf die neuen Blog-Beiträge ab dem 13. September 2021.

 

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Bach-Busoni – eine Henle-Erfolgsserie mit Fortsetzungen

Ferruccio Busoni (1866–1924)

Kürzlich hat eine weitere Bach-Busoni-Ausgabe als Henle-Urtextausgabe ihren Weg auf den Musikalienmarkt gefunden: Die berühmte Orgeltoccata d-moll, deren Beginn fast jedes Kind kennt und die Busoni kongenial auf das Klavier übertragen hat. Weiterlesen

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Wie bewegen sich Fossilien? Zu einer Stelle in Saint-Saëns’ Carnaval des animaux

Wenn ein Komponist sich entschließt, eines seiner Werke zu Lebzeiten nicht zu veröffentlichen, gibt es in der Regel gute Gründe dafür: Entweder es handelt sich um ein Jugend- oder Studienwerk, das zu unbedeutend für eine Drucklegung wäre oder eine inzwischen aufgegebene Stilrichtung repräsentiert. Oder es stellt ein Gelegenheitswerk im wahrsten Sinn des Wortes dar, das nur privaten Aufführungszwecken dienen soll. Letzteres trifft auch auf Camille Saint-Saëns’ wohl populärste Komposition zu, auf Le Carnaval des animaux (komponiert 1886, erschienen postum 1922). Weiterlesen

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Die Qual der Wahl – Lieder von Richard Strauss

Richard Strauss (1864–1949)

Unglaublich, aber wahr: Bislang unbemerkt in diesem Blog hat letztes Jahr einer der größten Komponisten des 20. Jahrhunderts das Henle-Universum betreten – Richard Strauss. Schuld daran ist natürlich ein gewisser Komponist mit B, dessen 250. Geburtstag wir hier so ausführlich gefeiert haben, dass manches zurücktreten musste. Aber nun ist es höchste Zeit, Strauss auch in diesem Forum endlich einzuführen. Denn die Edition dieses modernen Klassikers hat das Henle-Lektorat naturgemäß vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Während meine Kollegen sich mit der Instrumentalmusik beschäftigten und bei der Edition von Duosonaten und Solokonzerten Überlieferungs- und Textfragen in engem Austausch mit ausübenden Musikern klärten, hatte ich als Lied-Redakteurin zunächst einmal ganz banal die Qual der Wahl: Über 200 Klavierlieder hat uns Strauss hinterlassen, eines schöner als das andere – wo beginnen? Weiterlesen

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„…wohl das Beste, was ich von Dvořák kenne.“ Wissenswertes zur Bläserserenade d-moll op. 44

Auch wenn in letzter Zeit Komponisten wie Debussy, Beethoven oder aktuell Saint-Saëns aufgrund ihrer Jubiläen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen und stehen – der geheime Star im Henle-Programm der letzten Jahre scheint mir Antonín Dvořák zu sein. Nicht weniger als elf neue Urtext-Ausgaben seiner Werke sind in unserem Verlag seit 2015 erschienen, darunter viele große und zentrale Werke seines Schaffens wie die späten Streichquartette op. 96, 105 und 106, das Klavierquintett op. 81, das Klaviertrio op. 65 und die Humoresken op. 101 für Klavier. In diesen Tagen wird unsere Neuausgabe der Bläserserenade d-moll op. 44 (HN 1234/HN 7234) erscheinen und das Dutzend voll machen. Und es geht selbstverständlich weiter: bereits in Vorbereitung für diesen Herbst sind Dvořáks „slawisches“ Streichquartett Es-dur op. 51 und – ein besonderer Höhepunkt – sein legendäres Cellokonzert. Weiterlesen

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Schuberts Wanderer-Fantasie und die Herausforderungen einer Urtext-Edition

In den bereits über 70 Jahren seit Gründung unseres Verlagshauses haben sich immer wieder wunderbare freundschaftliche Verbindungen zu Künstler*innen ersten Ranges ergeben, die sich häufig auch sehr fruchtbar auf unsere Editionsarbeit auswirken. Heute möchte ich dafür ein aktuelles Beispiel bringen, das uns auf die Spur einer Neubewertung unserer Edition von Schuberts Wanderer-Fantasie führte. Weiterlesen

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Versuch einer Neudatierung der drei beliebten „Quartett-Divertimenti“ KV 136–138 von Mozart

Im Zusammenhang meiner nun kurz vor Veröffentlichung stehenden Urtextausgabe der drei bekannten und vielgespielten „Divertimenti“ KV 136–138 wurde klar, dass Mozarts eigene, ungewöhnlich vage Datierung im Kopf seines Autographs: „Salisburgo 1772“ nicht gänzlich zutreffen kann. Ich gehe vielmehr davon aus, dass er an der Komposition dieser drei Werke bereits ab dem Spätherbst 1771 in Mailand arbeitete, um sie dann erst in Salzburg zu Jahresbeginn 1772 abzuschließen. In diesem Blogbeitrag möchte ich diese These knapp begründen. Weiterlesen

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