„Der ganze Beethoven“ – Teil 2: Von der Alten zur Neuen Gesamtausgabe

Vor einigen Wochen berichtete meine Kollegin Annette Oppermann über die Anfänge der Beethoven-Gesamtausgaben oder besser gesagt: über die zahlreichen Versuche dazu, wobei die unmittelbar nach Beethovens Tod begonnenen Unternehmungen von Tobias Haslinger (ab 1828) und Franz Philipp Dunst (ab 1829) am weitesten gediehen. Daran anknüpfend möchte ich im Folgenden über Unternehmungen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts berichten. Aus Umfangsgründen werde ich mich auf die beiden bedeutendsten dieser Editionen konzentrieren, die die Musikwelt unter den Bezeichnungen „Alte Gesamtausgabe“ (AGA, 1862–65) und „Neue Gesamtausgabe“ (NGA, seit 1961) kennt. Weiterlesen

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Beethoven und die Bratsche

Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des Beethoven-Hauses Bonn.

Klavierkonzerte und -sonaten, Violinkonzert und -sonaten und Violoncellosonaten – Wo aber sind sie, die Solowerke für Viola aus Beethovens Feder? War das Instrument ihm zu fremd, wusste er nicht um den besonderen Wert und Klang der Bratsche? Sicher nicht, denken wir etwa an seine einzigartigen Streichquartette und Streichtrios. Und daran, dass Beethoven selbst die Bratsche spielte! Es lohnt sich, der Sache genauer nachzugehen! Weiterlesen

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Beethoven im Film Teil 2: Beethoven-Dokus

Viele der in meinem vorausgehenden Beitrag (1) nachgewiesenen Beethoven-Spielfilme sind aus urheberrechtlichen Gründen nicht auf Youtube, sondern nur auf DVD verfügbar. Das verhält sich bei den filmischen Beethoven-Dokumentationen (2), um die es heute gehen soll, ganz anders: Bis auf zwei Ausnahmen kann man sich alle von mir ermittelten und bewerteten Filme kostenfrei in voller Länge ansehen: siehe Youtube-Link in der Filmografie. Weiterlesen

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Beethovens Diabelli-Variationen im neuen Gewand

Beethoven und die Variation – ich gebe zu: Das ist in unserem Henle-Blog nun kein neues Thema mehr. Mein Kollege Dominik Rahmer hat im Januar schon eine umfassende Gesamtschau auf das Variationenschaffen des Bonner Jubilars beigesteuert, in der er vor allem Entdeckungen akzentuiert und Ihnen, unserer Lesergemeinde, vorgestellt hat. Mit einer Entdeckung kann ich nun heute nicht aufwarten, es soll nämlich um die berühmten
Diabelli-Variationen op. 120 gehen. Weiterlesen

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„Der ganze Beethoven“ gestern und heute – Von den Anfängen der Beethoven-Gesamtausgabe(n) im 19. Jahrhundert

Mit freundlicher Genehmigung des Beethoven Hauses Bonn

Nur was man ganz hat, hat man wirklich – das gilt natürlich auch für Beethoven und so ist es wenig überraschend, dass man mit der Sucheingabe „Der ganze Beethoven“ im Beethoven-Jahr erstaunlich viele Treffer findet. Allerdings belehren die Ergebnisse einer Suche mit Begriffen wie „Gesamtwerk“ oder „Gesamtausgabe“ uns schnell darüber, dass „man“ Beethoven heute eher hört als liest oder spielt. Denn lange vor der bekanntlich bei Henle erscheinenden wissenschaftlichen Gesamtausgabe werden einem an erster Trefferstelle große Konzertzyklen oder riesige CD-Produktionen angezeigt, die sein gesamtes Oeuvre abdecken – und Beethoven auf der ganzen Welt verbreiten. Das erscheint uns heute selbstverständlich – und ist in Zeiten von Corona immerhin eine Möglichkeit, sich trotz geschlossener Museen, Konzertsäle und Opernhäuser mit dem „ganzen Beethoven“ zu beschäftigen. Aber wie war das eigentlich früher? Und seit wann gibt es dieses Interesse am „ganzen Beethoven“? Weiterlesen

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Beethoven im Film. Eine Gesamtschau in drei Teilen

Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie verärgert, ja empört ich über den 1984 herausgekommenen Mozart-Film „Amadeus“ war. Das war doch keinesfalls der Mozart, so wie ich ihn mir vorstelle. Sein infantiles Benehmen, sein dümmliches Gelächter, seine Dauer-Überdrehtheit: nein, das hatte nichts mit „meinem“ Mozart zu tun. Heute bin ich da viel entspannter, ja – ich bin sogar berührt, wenn ich selbst dabei sein darf, wenn „Salieri“ erstmals einen Ausschnitt aus Mozarts Gran Partita hört und sofort seine eigene Mediokrität erkennt, oder wenn „Mozart“ auf dem Totenbett „Salieri“ Teile seines Requiems diktiert, schweißgebadet, um seinen baldigen Tod wissend – und ich bin erschütterter Zeuge dieses Geschehens. Fast immer, wenn in diesem „Amadeus“-Film Mozarts Musik erklingt und ihre ungeheure emotionale Kraft sich in den Gesichtern der Schauspieler abbildet, wird meine eigene Emotion angeregt und herausgefordert, womöglich stärker als beim bloßen, bildlosen Zuhören. Spiegelung eigener, tiefsitzender Gefühle. Weiterlesen

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Beethoven feiert Karneval – wir feiern mit!

Joseph Stieler, Skizze in Öl zum Portrait Beethovens; Freundliche Genehmigung des Beethoven-Hauses Bonn

Wenn ein Blog über den „bönnschen Jung“ Beethoven auf den Rosenmontag fällt, kann es nur um eines gehen: Karneval! In der sogenannten fünften Jahreszeit wurde im Rheinland schon zu Ludwigs Lebzeiten kräftig gefeiert. Doch wussten Sie, dass Beethoven tatsächlich Karnevalsmusik komponiert hat?

Diesmal wollen wir Sie auch ganz bestimmt nicht auf den Arm nehmen wie in unserem Rosenmontags-Beitrag 2015, als wir ein angeblich neuentdecktes Karnevalslied von Beethoven veröffentlichten (wir bekamen tatsächlich ernst gemeinte Bestellwünsche zur gedruckten Ausgabe!). Weiterlesen

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Interview Michael Korstick: Beethoven als Fixstern meines musikalischen Universums

Michael Korstick

Im Beethoven-Jahr möchte das Autorenteam des Henle-Blogs immer wieder Interviews mit Künstlern einstreuen, die sich besonders um Beethovens Werk verdient gemacht haben und die gleichzeitig mit dem Haus Henle und seinen Urtextausgaben eng verbunden sind. Den Anfang macht Michael Korstick, der bei Oehms Klassik in den Jahren 1997–2008 Klavierwerke Beethovens in 11 Folgen eingespielt hat, darunter alle 32 Klaviersonaten, die großen Variationszyklen op. 34, 35, 120, die späten Bagatellen op. 126 sowie die „Wut über den verlorenen Groschen“. Ein wahrhaft beeindruckendes Kompendium und dazu eine Aufnahme, die für die Beethoven-Interpretation Maßstäbe gesetzt hat. Weiterlesen

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Beethoven bei Mozart zu Besuch. Zur Entstehungsgeschichte von Beethovens Mozart-Variationen WoO 40 aus den Erinnerungen von Johann Nepomuk Hummel (Erstveröffentlichung)

Die hier erzählte Anekdote ist zwar frei erfunden, könnte sich jedoch so oder ähnlich durchaus abgespielt haben; siehe dazu auch die gesicherten Belege in den Fußnoten[i]

Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837)

Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837)

Als uns der sechzehnjährige Ludwig Beethoven Mitte Februar 1787 besuchte, hing Meister Mozart seinen schönen Erinnerungen an Prag nach. Erst kurz zuvor war er zu uns nach Wien zurückgekehrt[ii] und hatte uns begeistert von seinem Besuch in der böhmischen Hauptstadt erzählt. Überschwänglich gefeiert und auf Händen getragen hätten sie ihn. Meister Mozart schwärmte regelrecht von „seinen Pragern“, die ihn „verstünden“[iii]. Die Gräfin Thun[iv] hatte ihm noch vor seiner Prag-Reise von einem gewissen „Ludwig Beethoven aus Bonn“ vorgeschwärmt, er „müsse“ ihn am Klavier hören. Er sei ein „göttlich Wunder“ (nun, das kennen wir ja …). Ohne seine Eltern werde dieser Ludwig alsbald hier nach Wien kommen, eigens um ihn, Mozart, zu sehen. Dieser Ludwig liebe seine Musik so sehr und er wünsche sehnlichst seinen Unterricht. Weiterlesen

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«Plus ça change, plus c’est la même chose» – ein kurzer Streifzug durch die Variationswerke Beethovens

Dressler-Variationen WoO 63, Beginn des Themas

Der Formtypus der Variation spielt in Beethovens Schaffen eine bedeu­tende Rolle und hat ihn sein ganzes Leben lang beschäftigt. Seine erste veröffentlichte Komposition waren die 9 Klaviervariationen über einen Marsch von Dressler WoO 63, die sein Lehrer Christian Gottlob Neefe 1782 im Druck erscheinen ließ. „Mit Variationen beginnt Beethoven“, schrieb der Musikkritiker Paul Bekker 1911, und man könnte ergänzen, dass Beethoven auch mit Variationen endet: Die Diabellivariationen op. 120 gehören zu seinen letzten Klavierwerken und krönen nicht nur sein Schaffen, sondern finden in der Geschichte der Klaviervariation wohl nur in Bachs Goldbergvariationen ein ebenbürtiges Werk. Weiterlesen

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