Beethoven bei Mozart zu Besuch. Zur Entstehungsgeschichte von Beethovens Mozart-Variationen WoO 40 aus den Erinnerungen von Johann Nepomuk Hummel (Erstveröffentlichung)

Die hier erzählte Anekdote ist zwar frei erfunden, könnte sich jedoch so oder ähnlich durchaus abgespielt haben; siehe dazu auch die gesicherten Belege in den Fußnoten[i]

Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837)

Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837)

Als uns der sechzehnjährige Ludwig Beethoven Mitte Februar 1787 besuchte, hing Meister Mozart seinen schönen Erinnerungen an Prag nach. Erst kurz zuvor war er zu uns nach Wien zurückgekehrt[ii] und hatte uns begeistert von seinem Besuch in der böhmischen Hauptstadt erzählt. Überschwänglich gefeiert und auf Händen getragen hätten sie ihn. Meister Mozart schwärmte regelrecht von „seinen Pragern“, die ihn „verstünden“[iii]. Die Gräfin Thun[iv] hatte ihm noch vor seiner Prag-Reise von einem gewissen „Ludwig Beethoven aus Bonn“ vorgeschwärmt, er „müsse“ ihn am Klavier hören. Er sei ein „göttlich Wunder“ (nun, das kennen wir ja …). Ohne seine Eltern werde dieser Ludwig alsbald hier nach Wien kommen, eigens um ihn, Mozart, zu sehen. Dieser Ludwig liebe seine Musik so sehr und er wünsche sehnlichst seinen Unterricht. Weiterlesen

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«Plus ça change, plus c’est la même chose» – ein kurzer Streifzug durch die Variationswerke Beethovens

Dressler-Variationen WoO 63, Beginn des Themas

Der Formtypus der Variation spielt in Beethovens Schaffen eine bedeu­tende Rolle und hat ihn sein ganzes Leben lang beschäftigt. Seine erste veröffentlichte Komposition waren die 9 Klaviervariationen über einen Marsch von Dressler WoO 63, die sein Lehrer Christian Gottlob Neefe 1782 im Druck erscheinen ließ. „Mit Variationen beginnt Beethoven“, schrieb der Musikkritiker Paul Bekker 1911, und man könnte ergänzen, dass Beethoven auch mit Variationen endet: Die Diabellivariationen op. 120 gehören zu seinen letzten Klavierwerken und krönen nicht nur sein Schaffen, sondern finden in der Geschichte der Klaviervariation wohl nur in Bachs Goldbergvariationen ein ebenbürtiges Werk. Weiterlesen

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Weihnachten mit Beethoven

Passend zu unserem Beethoven-Blog anlässlich seines 250-jährigen Jubiläums, soll sich dieses Jahr auch der Weihnachtsblog um Beethoven drehen. Dem Vorhaben steht allerdings entgegen, dass Beethoven recht wenig Kirchenmusik komponiert hat und uns nicht – wie etwa Bach – ein wundervolles Weihnachtsoratorium hinterlassen hat. Weiterlesen

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Beethoven spielt Beethoven? Der Komponist als Verfasser von Kadenzen

Beethoven spielt Beethoven – ich denke, es geht Ihnen wie mir: Wie gern wäre ich einmal dabei gewesen, wenn Beethoven seine eigenen Werke am Klavier zur Aufführung brachte. Da aber Zeitreisen vorerst noch keine Option und Aufnahmen nicht verfügbar sind, wird das ein schöner Traum bleiben. Wirklich? Haben wir nicht doch eine Chance uns zumindest ein indirektes Bild von einer Beethoven-Aufführung zu machen?

(Bild: Thöny, Wilhelm: Beethoven am Klavier – Druck nach Zeichnung. Mit freundlicher Genehmigung des Beethoven-Hauses Bonn)

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Das Beethoven-Jubiläum im Henle Blog

Vor zwei Wochen feierten wir unseren 200. Blogeintrag und mein Kollege Wolf-Dieter Seiffert warf einen wunderbaren Blick zurück auf die vielen hochinteressanten und hoffentlich unterhaltsamen Beiträge, die unser Blog-Team seit 2011 verfasst hat. Heute werfe ich einen Blick nach vorn, denn das nächste Jahr ist für den Henle Verlag ein ganz besonderes, steht doch der 250. Geburtstag des Allergrößten bevor: LUDWIG VAN BEETHOVEN. Auch unser Blog kann sich dem Sog nicht entziehen, hier wird 2020 eine Huldigung der besonderen Art für den Wiener Meister stattfinden: Denn ab sofort bis Weihnachten des nächsten Jahres werden sich sämtliche der über 20 anstehenden Blog-Beiträge um Ludwig van Beethoven drehen! Weiterlesen

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200 Henle-Blogtexte. Kaum zu glauben!

Sie lesen die Ausgabe Nummer 200 des Henle-Blogs. Zweihundert! Kaum zu glauben. So viele spannende, informative, unterhaltsame Originaltexte. Gründlich recherchierte Essays aus unserem Lektorat zu musikalischen Quellen, Lesarten-Problemen, philologisch Interessantem zu Neuerscheinungen und zu so vielem mehr. Weiterlesen

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Endlich: Bartóks Concerto for Orchestra jetzt auch im handlichen Format

Im Frühjahr 2016 hat der große ungarische Komponist Béla Bartók Einzug in den Henle-Katalog erhalten: zum einen mit der in diesem Sommer schon auf vier Bände angewachsenen Kritischen Gesamtausgabe seiner Werke, zum anderen mit den auf diesem wissenschaftlich erarbeiteten Notentext basierenden praktischen Urtext-Einzel-Ausgaben seiner Klavierwerke. Diese bieten mittlerweile wirklich für jeden etwas, vom Einsteigerrepertoire (mit den Lehrwerken Für Kinder und Mikrokosmos) über den Bartók-Klassiker (wie die Rumänischen Volkstänze) bis zur avancierten Virtuosenliteratur (z. B. mit den Improvisationen op. 20). Aber eines fehlte bisher: Bartóks Name in der Reihe unserer Studienpartituren im handlichen Format. Um so größer war die Freude, als sich mit dem 2018 in der Gesamtausgabe erschienenen Concerto for Orchestra endlich eine Gelegenheit bot, diese Lücke zu füllen. Weiterlesen

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Prädikat: besonders wertvoll – Zur Korrekturfahne in Faurés 1. Cellosonate op. 109

Bei der Herstellung einer Stichplatte (oder heute einer Digital-Datei) für eine gedruckte Notenausgabe besteht immer das Risiko, dass der Setzer an manchen Stellen die Vorlage ungenau oder falsch überträgt. Deshalb setzten die Komponisten schon sehr früh durch, dass der betreffende Verlag ihnen vor dem endgültigen Druck einen Fahnenabzug zur Durchsicht und Korrektur überließ. Das war zwar keine Garantie für eine fehlerlose Erstausgabe, da einerseits die Komponisten oft Setzfehler übersahen oder umgekehrt der Setzer Korrekturen des Komponisten übersah oder falsch verstand. Aber es vermittelte dem Autor doch eine gewisse Sicherheit, dass der gedruckte Notentext nicht mit Fehlern übersät erschien. Außerdem bot die Fahnendurchsicht die willkommene Gelegenheit, hier und da gegenüber der ursprünglichen Version Änderungen einzufügen. Weiterlesen

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Dont worry, be happy – die erste kritische Urtext-Ausgabe der Etüden von Jakob Dont

Jakob Dont (1815–1888)

Wohl jeder Geiger kennt sie aus dem Unterricht: Die 24 Études et Caprices op. 35 von Jakob Dont (1815–1888) sind bis heute unersetzlicher Bestandteil des Lehrplans. Das liegt sicher daran, dass es Dont auf kongeniale Weise gelang, das gezielte Trainieren bestimmter technischer Herausforderungen mit einer ansprechenden und melodiösen musikalischen Gestaltung zu verbinden. Dutzende verschiedener Ausgaben sind heute auf dem Markt, die sich aber alle – zum Teil erheblich – vonein­an­der unterscheiden. Was ist denn nun der „echte“ Dont? Weiterlesen

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Mehr Klimaschutz ist dringend nötig. #HenleVerlagForFuture!

Heute soll es einmal – und ganz ausnahmsweise! – nicht um die liebe Musik, um Noten oder um Editorisches gehen, wie Sie es aus diesem Blog kennen. Nein, heute will ich Sie auf den Streiktag #fridaysforfuture am 20. September 2019 aufmerksam machen. Weltweit wird an diesem Tag nämlich wieder gestreikt werden. Für mehr Klimaschutz, für konkrete(re) Beschlüsse und konkrete(re) Taten für eine lebenswertere Umwelt, statt des ewigen bloßen Geredes darüber. Denn wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Musikverlags G. Henle streiken mit. Der G. Henle Verlag bleibt am Freitag 20.9.19 geschlossen. Weiterlesen

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