Beethovens Korrekturlisten – eine rare Quellensorte

Ludwig van Beethoven (1770–1827)

Unter den im Beethoven-Werkverzeichnis gelisteten Quellen zu seinen Kompositionen findet sich gelegentlich ein Abschnitt über eine rare, aber nichtsdestotrotz für jede Edition informative Quellensorte: seine Korrekturverzeichnisse oder Korrekturhinweise, die sich meist in Briefen an Verlage oder Vermittler finden. Ein kleiner kursorischer Überflug. Weiterlesen

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Ein unbekanntes Haydn-Zitat von Brahms?

Viele Musikliebhaber kennen das: Man hört zufällig, meist im Radio, ein Musikstück, aber es fällt einem partout nicht der Komponist ein. Verzweiflung steigt auf: Das kann doch nicht wahr sein, jede Note kann ich mitsingen – und doch weiß ich einfach nicht, welches Stück es ist. Genau so erging es mir vor einigen Monaten. Allerdings wusste ich bereits beim Hören (im Autoradio) des schlichten, klavierbegleiteten Duetts, dass hier etwas „nicht stimmen“ konnte. Zwar kannte ich die zu Beginn des Stücks erklingende, wunderschöne Melodie allzu gut, doch das Stück selbst hatte ich sicher noch nie zuvor gehört. Die Melodie kannte ich also aus anderem Zusammenhang – aber woher nur, woher? Und wer war der Komponist des Radio-Duetts? Vielleicht ein mir unbekannter Mozart (shame on me …)? Weiterlesen

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Johann Kuhnau zum 300. Todestag

Johann Kuhnau

In diesem Jahr widmen sich die wechselnden Autoren unseres Henle-Lektoren-Blogs neben lauter spannenden Spezialthemen in regelmäßigen Abständen Komponisten-Jubiläen. Erst vor zwei Wochen schrieb mein Kollege Peter Jost eine Würdigung zu César Francks 200. Geburtstag. Heute gehe ich in der Musikgeschichte einen großen Schritt zurück und werfe ein paar Schlaglichter auf Johann Kuhnau (geboren 6. April 1660), dessen 300. Todestag wir gestern begehen konnten. Runde Geburtstage eignen sich prinzipiell besser zum Feiern als Todestage. Aber da sich gestern Kuhnaus Todestag (5. Juni 1722) zum 300. Mal jährte, ist das ein guter Anlass, sich einmal genauer mit dieser faszinierenden Persönlichkeit aus dem 17./18. Jahrhundert zu befassen. Weiterlesen

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Zwischen den Stühlen – ein Porträt César Francks zum 200. Geburtstag

César Franck (1822-1890)

César Franck, dessen 200. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert, spaltete lange Zeit die Mit- und Nachwelt bezüglich seiner Zu- und Einordnung. Zu Lebzeiten war ausgerechnet der Jubilar des vergangenen Jahres, Camille Saint-Saëns, sein großer Gegenspieler und Kritiker. Und tatsächlich bildete Franck in vielerlei Hinsicht einen Gegenpol zu Saint-Saëns.

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Alexander Skrjabin (1872–1915) zum 150. Geburtstag, Teil II

Alexander Skrjabin (1872–1915)

Wie in meinem letzten Blog angekündigt, ist der Sammelband mit den Etüden op. 8 von Alexander Skrjabin inzwischen erschienen – unser Geburtstagsgeschenk für Alexander Skrjabin. Er enthält alle zwölf Etüden, plus im Anhang eine zweite Fassung der berühmtesten, der Nr. XII. Aber dazu später mehr. Zuerst möchte ich die Frage beantworten, mit der mein letzter Blog-Beitrag schloss: Wie kommt es, dass der donnernde Abschluss der letzten Etüde mit seinem himmelstürmenden Aufstieg über die gesamte Klaviatur im erhaltenen Autograph gänzlich anders bezeichnet ist? Weiterlesen

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Ein Meilenstein in der Musikgeschichte: Schönbergs 2. Streichquartett op. 10

Arnold Schönberg (1874–1951), Aufnahme um 1908

In seinem Dankesbrief an die Gratulanten zu seinem 75. Geburtstag äußerte Arnold Schönberg im September 1949, er habe sich damit abgefunden, dass er auf volles Verständnis für sein Werk bei seinen Lebzeiten nicht mehr rechnen darf, und überschrieb seine teils schmerzlich-bitteren, teils selbstbewusst-stolzen Äußerungen mit der schlagzeilenartigen Formel „Erst nach dem Tode anerkannt werden —-!“. Die Prophezeiung des Komponisten ist, wie wir heute wissen, bereits relativ schnell nach seinem Tod 1951 eingetroffen, gilt er doch spätestens seit den 1970er Jahren unbestritten als einer der maßgeblichsten Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – auch wenn die Zahl der Aufführungen seiner Musik nach wie vor nicht mit dieser weltweiten Anerkennung Schritt hält.

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Eine unklare Stelle in Brahms’ Vier ernsten Gesängen op. 121

Ein Gastbeitrag von Johannes Behr von der Johannes Brahms Gesamtausgabe, Kiel.

Johannes Brahms, aufgenommen im Juni 1896
(Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck)

Am 3. April 1897, vor nunmehr 125 Jahren, starb Johannes Brahms. Etwa ein Dreivierteljahr zuvor hatte er, von seiner Todeskrankheit zunehmend niedergedrückt, die Komponistenfeder endgültig aus der Hand gelegt. Noch im Mai und Juni 1896 hatte er sich mit der Ausarbeitung von insgesamt elf Choralvorspielen für Orgel beschäftigt. Er übe „in kleinen Schosen Buß und Reu“, schrieb er damals an Eusebius Mandyczewski – und lieferte damit ein Beispiel für seine Art, sich desto schnoddriger über eigene Musik zu äußern, je ernster es ihm eigentlich damit war. Erst 1902 wurde diese von der besonderen Aura des ‚letzten Werkes‘ umwehte Sammlung aus dem Nachlass als Opus 122 veröffentlicht. Die elf Choralvorspiele sind in der Neuen Brahms-Gesamtausgabe bereits erschienen (Serie IV) und auch in einer hierauf basierenden Urtextausgabe zugänglich (HN 1368). Weiterlesen

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Vier Stimmen, viele Fragen: Zur Überlieferung von Streichquartetten

Geneigte Besucherinnen und Besucher unserer diversen digitalen Plattformen wissen es schon: 2022 steht bei Henle unter dem Motto „Henle4Strings“ das Streichquartett im Mittelpunkt. Höchste Zeit also, dass auch unser Blog sich diesem Thema nähert, zumal die Gattung – wenn man mal von der regelmäßigen Berichterstattung über den Fortschritt am Groß-Projekt Mozart-Streichquartette absieht – in diesem Blog regelrecht unterbelichtet ist. Weiterlesen

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Henle Library App – der nächste große Meilenstein

Sechs Jahre alt ist unsere App, und wir können endlich verkünden: Alle Werke unseres Urtext-Katalogs sind darin nun im digitalen Gewand erhältlich! Weiterlesen

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Alexander Skrjabin (1872–1915) zum 150. Geburtstag, Teil I

Alexander Skrjabin (1872–1915)

Ich gebe zu, während ich die Überschrift zu diesem Blogbeitrag getippt habe, musste ich kurz nachschauen und mich vergewissern: Skrjabin wird erst 150 Jahre alt? Aber es stimmt. Der russische Pianist und Komponist ist somit nur 2 Jahre älter als z.B. Arnold Schönberg. Obwohl mir völlig klar ist, dass Skrjabins spätere Kompositionen die Grenzen der Tonalität sprengen, hätte ich ihn gefühlsmäßig viel weiter zurück ins 19. Jahrhundert datiert als den Begründer der 12-Ton-Methode. Aber hier soll es nicht um einen Vergleich gehen. Die Verwunderung über das späte Geburtsdatum dient mir nun jedoch als guter Ausgangspunkt, die bisher im G. Henle Verlag erschienenen Skrjabin-Editionen und den Stilwandel in der Musik des russischen Komponisten kurz an mir vorüberziehen zu lassen. Skrjabin – ein Romantiker oder doch ein „Moderner“? Weiterlesen

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