Die andere Art von Quellen: Briefe zu Max Bruchs „Kol Nidrei“

Eine Urtext-Ausgabe (nicht nur) des Henle-Verlags zeichnet sich bekanntlich dadurch aus, dass sie auf einer kritischen Untersuchung aller Quellen zum Werk basiert und diese dann auch in einem Bemerkungsteil beschreibt, bewertet und die editorischen Entscheidungen dokumentiert. Schaut man sich diese Bemerkungen in unseren Urtext-Ausgaben einmal genauer an, so könnte man meinen, diese Quellen umfassen allein musikalische Handschriften und Drucke. Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn neben solchen Primärquellen der Edition spielen auch zahlreiche sekundäre Quellen eine Rolle, seien es Rezensionen oder Programmhefte, Geschäftsbücher des Verlags oder Tagebücher und Korrespondenz des Komponisten, in denen sich wichtige Hinweise – z. B. für die Datierung eines Werks oder die Autorisierung eines Arrangements – finden können. Diese andere Art von Quellen wird bei Henle in der Regel nur sehr knapp im Vorwort erwähnt – was nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass die Suche nach und Auswertung von ihnen mitunter aufwendiger sein kann als die reine Editionsarbeit. Weiterlesen

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Schumann revisited – zu einem sonderbaren Vorzeichen in den Fantasiestücken op. 73

In der Regel berichten wir in unseren Blogbeiträgen aus der aktuellen Verlagsarbeit und über interessante Funde in unseren Neueditionen. Aber auch unsere älteren Ausgaben liegen keineswegs „vergessen“ im Archiv, sondern werden von uns immer wieder prüfend mit dem aktuellen Forschungsstand verglichen und im Zuge einer Neuauflage bei Bedarf aktualisiert oder korrigiert. Ein ganz aktuelles Beispiel stammt aus Robert Schumanns Fantasiestücken op. 73 für Klavier und Klarinette (HN 416). Weiterlesen

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Die Henle Library App – ein Update

Im Februar 2016, vor mehr als drei Jahren, erschien die iOS-Version unserer Henle Library App. Seitdem ist viel geschehen, nicht nur als Ergebnis unseres Engagements, sondern auch bei Apple und dem iPad. Ein kleines Update zum Stand der Dinge! Weiterlesen

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„Wolfgang Amadeus Stadler“, Allegro für Klaviertrio

Es kommt äußerst selten bei uns vor, dass wir eine veritable Erstausgabe veröffentlichen können. Mit meiner Urtextausgabe der drei Klaviertrio-Fragmente KV 442 von Mozart (HN 1379) war es vor wenigen Wochen einmal wieder soweit. Im Anhang dieser Edition bieten wir völlig unbekannte Musik für die Besetzung Klaviertrio: einen gut 350 Takte langen, gut gemachten, recht leicht zu spielenden Satz in D-dur. Der Autor? Tja, das ist die Frage. Nein, Mozart ist es nicht, so wie auch die unglückselige Köchelnummer KV 442 ein dreisätziges Klaviertrio von Mozart vorgaukelt, das es so nie gegeben hat. Weiterlesen

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Schubert auf dem Bach-Trip? Ein Hilferuf zum Arpeggione-Thema

Johann Sebastian Bach

Die Henle-Blog-Gemeinde wird hoffentlich nicht enttäuscht sein, denn heute kommt von mir ein Text, der auf den ersten Blick so gar nichts mit dem Alltag des Henle-Lektorats zu tun hat. Normalerweise berichten wir an dieser Stelle von kniffligen Editionsproblemen und bieten Lösungen an. Heute allerdings – von Lösung keine Spur. Mein Beitrag ist eine Frage, ja fast ein Hilferuf zu einem Thema, das mich seit Wochen beschäftigt. Los geht’s aber mit einer häuslichen Szene. Weiterlesen

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Neu ab dem 1.4.2019: Henle-Partituren per WhatsApp

Der G. Henle Verlag ist ein traditionsreiches Haus und kann auf eine stolze Verlagsgeschichte zurückblicken: im letzten Jahr begingen wir unseren 70. Geburtstag. Aber das digitale Zeitalter geht auch an uns nicht spurlos vorbei, und so haben wir vor einigen Jahren unsere sehr erfolgreiche Henle Library gestartet, mit der wir nahezu unseren gesamten Urtext-Katalog auf das iPad und Android-Tablets gebracht haben. Auch auf Youtube, Facebook und Instagram sind wir aktiv, um Neues aus dem Verlagsleben mit Ihnen zu teilen. Weiterlesen

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Ist das noch Urtext? Zu einer oft gespielten Variante in Sarasates „Carmen-Fantasie“

Titelblatt des Autographs von Sarasates Carmen-Fantasie

Der Erfolg eines neuen Bühnenwerks hängt bis heute wesentlich davon ab, ob sich einzelne Szenen, Ensembles oder Lieder so stark einprägen, dass sie zu Ohrwürmern werden. Die anhaltende Popularität von Georges Bizets Carmen verdankt sich zweifellos ein Stück weit solchen einprägsamen Nummern, an denen es der Oper bekanntlich nicht mangelt. Die Premiere am 3. März 1875 in der Pariser Opéra-Comique und die Wiederholungen unmittelbar danach brachten zwar nicht den erhofften großen Erfolg, aber ab Herbst 1875 begann ein beispielloser Triumphzug über die europäischen Bühnen – den der drei Monate nach der Uraufführung gestorbene Bizet allerdings nicht mehr erleben konnte. Weiterlesen

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Karneval: Henle goes green – Umweltschutz und Tierrettung bei Henle

Plastikmüll und Klimawandel, Verkümmerung der Artenvielfalt… – Es ist wirklich an der Zeit etwas zu tun! Auch der G. Henle Verlag will sich seiner Verantwortung stellen, und so haben wir unter dem Motto „Henle goes green“ Plastiktüten gegen Papiertüten ausgetauscht und verwenden für unsere Urtextausgaben nur noch Papier mit FSC-Siegel. Für mehr Informationen siehe unsere Facebookposts vom 23.01.2019 und 15.02.2019 zu diesem Thema. Weiterlesen

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Grenzen der Moderne – Zur Urtextausgabe von Schumanns “Myrthen” op. 25

Angesichts der Tatsache, dass gerade bei Werken des 19. Jahrhunderts die Erstausgabe oft die wichtigste Quelle für die Edition ist, könnte man die Frage aufwerfen, warum wir unsere Urtextausgaben überhaupt neu setzen – wo man doch so schön den Originaldruck abbilden und die paar Fehler, die darin sind, einfach durch eine Retusche korrigieren könnte. Aber mal ganz abgesehen davon, dass die nötigen Korrekturen in vielen Fällen eben doch gar nicht im originalen Layout realisierbar wären, kommt hier das Wörtchen „modern“ ins Spiel, mit dem sich (auch) unsere Urtextausgaben schmücken. Weiterlesen

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Fassung bewahren! Oder: Hat Brahms jemals sein Horntrio überarbeitet?

Vor einigen Tagen brachte mich eine Kundenanfrage kurz ins Grübeln: Ob denn unsere neue Edition des Horntrios Es-dur op. 40 (HN 811) von Johannes Brahms die erste Fassung von 1866 oder die zweite Fassung von 1891 wiedergebe? Eine spätere Überarbeitung eines Trios, das gibt es bei Brahms doch nur beim H‑dur-Trio op. 8 – oder etwa doch nicht…? Weiterlesen

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