Ohne Worte, aber mit Vorwort – Neues zu Rachmaninows „Vocalise“

Betrachtet man die Themen der inzwischen über 70 Beiträge dieses Blogs, so befassen sich die meisten mit Fragen der musikalischen Notation – Vorzeichen, Tonhöhen oder Angaben zu Artikulation und Dynamik. Das ist natürlich nicht verwunderlich, steht doch die Arbeit mit den musikalischen Quellen und die Erstellung eines korrekten und verlässlichen Notentexts im Mittelpunkt unserer Arbeit. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Montagsbeitrag | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ein „neues“ Mozart-Werk. Zur c-moll-„Fantasie“ (KV 396/385f) in originaler Besetzung für Violine und Klavier

Im Jahre 1821 trafen drei berühmte Persönlichkeiten in Weimar zusammen: Goethe, Mendelssohn Bartholdy und Mozart. Mozart natürlich nicht leibhaftig, sondern in Form einer Originalhandschrift, die damals Goethe besaß (und die er eigenhändig auf Seite 2 mit „Mozart.“ kennzeichnete): Weiterlesen

Veröffentlicht unter Montagsbeitrag | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Klarinette – Oboe – Horn. Neue Kammermusik von Carl Nielsen im Henle-Programm

Carl Nielsen (1865–1931) ist wohl zumeist als herausragender Symphoniker bekannt. Seine sehr ernsten, auch an der Welt und an sich krankenden Werke haben ihm nicht zuletzt den Spitznamen des „dänischen Strauß“ eingebracht. Der Henle-Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, die etwas andere kammermusikalische Seite dieses Komponisten zu zeigen und wird demnächst drei Bläserstücke mit Klavierbegleitung aus dessen frühen bis mittleren Schaffensphase herausbringen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Montagsbeitrag | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mindestens haltbar bis… Wie lange gilt ein Vorzeichen?

Musiker unserer Tage mögen die oben gestellte Frage mit hochgezogenen Augenbrauen quittieren. Ist doch klar – Generalvorzeichnung gilt immer und für alle Oktavlagen, es sei denn sie wird durch Auflösungszeichen aufgehoben. Ein im Takt gesetztes Vorzeichen gilt genau für diese Note und für den ganzen Takt – nicht länger und nicht kürzer. Aber das war nicht immer so.

Zu Johann Sebastian Bachs Zeiten etwa galten andere Regeln. Generalvorzeichnung wurde zwar genauso gehandhabt wie in der heutigen Zeit, das im Takt gesetzte Vorzeichen galt jedoch nur für diese eine Note. Sollte die gleiche Note später im Takt noch einmal vorkommen, so musste das Vorzeichen erneut gesetzt werden, wenn es weiter gültig sein sollte. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Montagsbeitrag | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 4 Kommentare

Die Akzent-Frage bei Schubert. Ein altes Thema mit neuen Variationen

Franz Schubert (Quelle: Wikimedia.org, Lizenz: PD)

Franz Schubert
(Quelle: Wikimedia.org, Lizenz: PD)

Wer sich mit Autographen Schuberts beschäftigt, stößt über kurz oder lang unweigerlich auf die berühmte Akzent-Frage, genauer gesagt: auf die Frage, ob an dieser oder jener Stelle mit dem notierten Zeichen ein Akzent oder eine Decrescendogabel gemeint ist. Während der moderne Notensatz beide Zeichen sehr deutlich voneinander trennt – der Akzent wird direkt zum Notenkopf gesetzt, die Gabel unter oder über das System –, sind sie entstehungsgeschichtlich eng verwandt. Als im auslaufenden 18. Jahrhundert die Schwellzeichen (Crescendo- und Decrescendogabel) als Alternative oder als Ersatz für die ausgeschriebenen Anweisungen crescendo und decrescendo aufkamen, entwickelte sich das Zeichen > als verkürzte Decrescendogabel. Der Zusammenhang wird etwa in Liedern Beethovens anschaulich. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Montagsbeitrag | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

„Diener zweier Herren“ – wenn der Herausgeber zwischen zwei Komponisten steht

Der Grundgedanke hinter einer Urtext-Ausgabe ist bekanntlich, eine Komposition so herauszugeben, dass sie dem Willen des Autors entspricht, in der Regel in der abschließenden „Fassung letzter Hand“. Doch wie geht man damit um, wenn man es mit zwei Willen und einem letzten Händepaar zu tun hat…? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Montagsbeitrag | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Zuhörer sind auch nur Menschen

Bemerkungen zur Notwendigkeit von Körpersprache beim Klavierspiel

Wilhelm Busch: „Der Virtuos“, 1865 (Quelle: Wikimedia.org, Lizenz: PD)

Wilhelm Busch: „Der Virtuos“, 1865 (Quelle: Wikimedia.org, Lizenz: PD)

Heute mal ein ganz und gar praktisches Thema für uns Klavierspieler und Pianisten: Vielleicht hat es sich noch nicht überall herumgesprochen: Es kommt beim Klavierspiel mehr auf das Auge als auf’s Ohr an! Als Klavierspieler/in hat man nur dann reelle Chancen auf einen Wettbewerbsgewinn, wenn man sein Spiel durch starke Körperbewegungen und Mimik verstärkt. Eine aktuelle, angeblich seriöse Studie beweist es: Laien wie Fachleute kürten nämlich beim bloßen Zusehen von tonlosen (!) Wettbewerbsaufnahmen dieselben (!) Gewinner wie die Fachjury desselben Wettbewerbs. Anders gesagt: Solides Klavierspiel vorausgesetzt entscheidet das Auge, nicht das Ohr. Oder noch anders: Die Jury hätte auch mit Ohropax in den Ohren dieselben Gewinner nominiert. Das gibt nun wirklich zu denken… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Montagsbeitrag | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 1 Kommentar

Der Herr der tiefen Töne – Tobias Glöckler im Gespräch über Dragonettis „Famous Solo“

Tobias Glöckler

Tobias Glöckler

Mit dem Dresdner Bassisten Tobias Glöckler kam der Kontrabass vor einigen Jahren ins Programm des Henle Verlags. Zunächst mal ganz klassisch mit den Konzerten von Hoffmeister und Dittersdorf, aber bald gesellten sich dazu auch etwas exotischere Titel wie die Zwölf Walzer von Dragonetti für Kontrabass solo oder der berühmte Elefant aus Saint-Saëns’ Karneval der Tiere. Das jüngst erschienene „Famous Solo” von Domenico Dragonetti stellt in der Fassung für Kontrabass und Streichquartett nun gar eine Erstausgabe eines Kontrabasswerks in unserem Verlagsprogramm dar. Lesen Sie hier, wie es dazu kam… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Montagsbeitrag | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Die klingenden Gärten der Henliden – Eine kleine Urtextsage


n einem kleinen Seitental des Olymp schmiegte sich einst ein musikalisches Kleinod an den Götterberg. Kein Odysseus, kein Herakles kam auf einer Irrfahrt oder Prüfung je durch dieses barocke, klassische, romantische Refugium; noch nicht einmal der alte Homer ließ es von seiner Muse besingen. Ob sich jedoch Xerob von Kopyrien mit seiner Anmerkung „Ιχη ωανδερτε εινστ δυρχη φενεσ ωερβοργενε Ταλ.“ (In: Ωανδερν, Athen u. a. 752 v. Chr., Papyrus 7) hierauf bezog, ist unter Fachleuten stark umstritten.
Warum weiß man so wenig über dieses Tal? – Nun, dort lebte ein kleines Völkchen, Henliden genannt, das unermüdlich, schon fast in sisyphosker Manier, Tag für Tag an seiner Bestimmung arbeitete: dem Urtext. Göttervater Zeus selbst gab ihn in Auftrag und hüllte anschließend den Mantel des Schweigens über das Tal. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Luxus für die Continuo-Gruppe

Woraus musizieren Continuo-Spieler?

Diese Frage mag zunächst trivial erscheinen. Jeder Pianist hat heutzutage vermutlich schon einmal barocke Kammermusik aus einer Basso-Continuo-Stimme begleitet. Im G. Henle Verlag – und nicht nur bei uns – besteht diese Stimme im Wesentlichen aus einem System für die linke Hand. Es enthält die Bass-Stimme, zumeist mit Ziffern, die angeben, welche Akkorde jeweils in der rechten Hand zu greifen sind. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Montagsbeitrag | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar