Aller guten Wiener sind drei: Dittersdorf, Hoffmeister und Vanhal

Johann Baptist Vanhal

Mit unserer jüngst erschienenen Urtext-Ausgabe von Johann Baptist Vanhals Kontrabasskonzert (HN 979) ist die Reihe der großen klassischen Kontrabasskonzerte komplett: Denn Vanhals Konzert ist ebenso wie diejenigen von Dittersdorf (HN 759) und Hoffmeister (HN 721) für die historische „Wiener Kontrabass-Stimmung“ geschrieben, die diesem Instrument gegen Ende des 18. Jahrhunderts überhaupt erst zum „Solisten“-Status verhalf. Eine moderne, praktische Ausgabe dieser Werke ist immer eine besondere Herausforderung, wie wir bereits in einem früheren Blog thematisiert haben.

 

Für diese Aufgabe konnte wieder Tobias Glöckler gewonnen werden, ein in praktischen wie philologischen Fragen äußerst versierter Musiker und Herausgeber. Mit dem Vanhal-Konzert legt er nun erneut eine Ausgabe vor, die optimal auf die Bedürfnisse der Kontrabassisten abgestimmt ist. Weiterlesen

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Ein Henle-Kunde schlägt Textkorrekturen zu Max Regers Cellosuite Nr. 2 vor. Wie reagieren wir als Verlag darauf?

Heute ein kurzer, aber dafür hoffentlich umso wertvollerer Beitrag für alle Cellisten. Er ist auch als Verneigung vor dem großen Komponisten Max Reger gedacht. Reger starb vor ziemlich genau 100 Jahren (am 11. Mai 1916).

Meine Urtextausgabe der „Drei Suiten für Violoncell allein“, Opus 131c, eröffnete zusammen mit der Edition der drei Violasuiten HN 468 Anfang der 1990er-Jahre den Reigen unserer inzwischen recht zahlreichen Reger-Werke im Henle-Urtext. Regers Handschrift dieser drei grandiosen Werke ist bis heute verschollen. Die Werke erschienen erstmals im Juli 1915 im Verlag N. Simrock, also ziemlich genau ein Jahr vor dem Tod Regers. Dem vor wenigen Jahren bei uns erschienenen Reger-Werkverzeichnis kann man alle wichtigen Informationen zur Entstehung und Quellen von Opus 131c entnehmen. Für unsere Blog-Leser hier exklusiv der Scan der einschlägigen Seiten. Weiterlesen

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Ein „fauler Apfel“ in Camille Saint-Saëns’ 2. Cellosonate?

Vom Genie-Gedanken der Romantik war Saint-Saëns denkbar weit entfernt. Musik sei die Kunst, Töne nacheinander beziehungsweise miteinander zu kombinieren, äußerte er einmal, und was seine künstlerische Produktion angehe, so bringe er gemäß seiner naturgegebenen Anlage musikalische Werke hervor – so wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringe. Dieser Vergleich mag zunächst befremden, entspricht aber vollkommen der Ästhetik von Saint-Saëns, der Form und Handwerk beim Komponieren in den Vordergrund stellte. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Autograph, Erstausgabe, Fassungen, Klavier + Violoncello, Lesart, Montagsbeitrag, Saint-Saëns, Camille, Violoncellosonate Nr. 2 F-dur op. 123 (Saint-Saëns) | Verschlagwortet mit | Hinterlassen Sie einen Kommentar

„… die äußerste Leistungsgrenze dieser Art auf dem Pianoforte“: Busoni bearbeitet Bach

In Kürze wird die zweite Ausgabe im Henle-Katalog erscheinen, die auf dem Cover den doppelten Komponistennamen Bach · Busoni trägt. Busonis berühmtes Arrangement der nicht minder berühmten Chaconne ist bereits länger bei uns erhältlich. Nun folgen die 10 Choralvorspiele.

Fast müsste man von 11 ½ Choralvorspielen sprechen, denn unsere Edition bringt zusätzlich zu den bekannten 10 Orgel-Übertragungen einerseits eine zweite Version der Nr. 1 („Komm, Gott, Schöpfer“), die seit der Erstveröffentlichung 1916 nun erstmals wieder zugänglich gemacht wird; diese Zweitfassung, die nur in Teilen einen wirklich neuen Notentext enthält, mag man als „halbes“ neues Choralvorspiel zählen. Ein vollgültiges neues Werk ist andererseits die Transkription des Orgelchoralvorspiels „Aus tiefer Not schrei‘ ich zu dir“. Unsere Herausgeber haben das Stück im Nachlass Busonis (Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz) entdeckt. Die Quelle ist inzwischen als Digitalisat einzusehen; in einer Urtextausgabe erscheint das Werk nun allerdings zum ersten Mal. Weiterlesen

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Die Henle Library App – ein Blick hinter die Kulissen. 2. Teil

Im ersten Teil dieses kleinen „Making of“-Berichts sprach ich von dem Anspruch, unsere Urtextausgaben mediengerecht in einer App umzusetzen. Was dies für das Layout des Notentextes bedeutet und wie wir hier große Flexibilität erreichen, habe ich dort bereits dargelegt. Nun soll es um einige zusätzliche Funktionen und um die Präsentation der Textanteile in unseren Ausgaben gehen. Weiterlesen

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Blick durchs Schlüsselloch – Bartóks „Allegro barbaro“ als Vorbote der Gesamtausgabe

Mit Béla Bartók reiht sich 2016 ein neuer Komponist in unseren Katalog ein – immer ein besonderes Ereignis für einen Urtext-Verlag, und in diesem Fall gleich ein doppeltes Vergnügen: Denn zum einen starten wir in diesem Jahr eine große, auf 48 Bände angelegte Kritische Gesamtausgabe sämtlicher Werke des Komponisten, zum anderen erscheinen (zunächst) seine Klavierwerke für die musikalische Praxis in blauen Urtext-Ausgaben.

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Der Schicksalstriller – András Schiffs erhellende Überlegungen zu Schuberts letzter Klaviersonate in B-dur D 960

Gastbeitrag von Alex Ross[1]

„Welches andere Werk ist so sehr erfüllt von Stille?“ (András Schiff)

Vor einigen Tagen saß ich mit Sir András Schiff, dem aus Ungarn stammenden, in Großbritannien lebenden Pianisten, im Probenraum der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Wir sinnierten gemeinsam über ein großes musikalisches Rätsel, nämlich den Triller im achten Takt von Schuberts B-dur-Sonate D 960. Weiterlesen

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Verwirrung um Haltebögen in Chopins Scherzo h-moll

Es ist hinlänglich bekannt, dass Chopin-Varianten einen Herausgeber – der alles daran setzt, dem Musiker einen gültigen Text an die Hand zu geben – zur Verzweiflung bringen können. Der Gedanke, dass man in seiner Verzweiflung nicht allein ist, kann jedoch eine tröstliche Wirkung haben. So erging es jedenfalls mir, als ich begann, eine revidierte Ausgabe (HN 1334) des 1. Scherzos h-moll vorzubereiten. Ich stieß dabei auf ein Dokument, das den berühmten Chopin-Schüler und Herausgeber Karol Mikuli in ziemlicher Ratlosigkeit zeigt. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Artikulation, Autograph, Brief, Chopin, Frédéric, Erstausgabe, Hiller Ferdinand, Klavier solo, Komponisten, Lesart, Mikuli Karol, Montagsbeitrag, Quellen, Scherzo h-moll op. 20 (Chopin) | Hinterlassen Sie einen Kommentar

Henry Vieuxtemps’ 5. Violinkonzert in neuem Gewand – Gespräch mit Marie Cornaz und Ray Iwazumi

Unter den knapp hundert Kompositionen, die der Geigenvirtuose Vieuxtemps hinterlassen hat, stellt das 5. Violinkonzert a-moll op. 37 sicherlich das mit Abstand bekannteste und beliebteste Werk dar. Seine Popularität verdankt es nicht nur dem brillanten Geigenpart, sondern auch der originellen Form in drei Sätzen, die pausenlos ineinander übergehen. Weiterlesen

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Die Henle Library App – ein Blick hinter die Kulissen. 1. Teil

Wann ist bei uns im Verlag eigentlich der Groschen gefallen, dass eine Henle-Ausgabe nicht bis in alle Ewigkeit nur auf Papier das Licht der Welt erblicken muss? Für mich geschah das im März 2011, als ich bei einer Konferenz der Music Teachers National Association (MTNA) in Milwaukee unser Urtext-Konzept vorstellte – und alle nur über das iPad mit mir reden wollten! Weiterlesen

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