Urtext und Ur-Kontext

leinen cover UrtextDas Urtext-Prinzip ist in unserem Blog ja bereits hinlänglich diskutiert worden und kann so als bekannt vorausgesetzt werden – aber kennen Sie den Ur-Kontext? Dieser spielt nämlich bei Henle ebenfalls eine große Rolle (auch wenn wir ihn nicht auf’s Cover schreiben…). Weiterlesen

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Ab welchem Tempo „stirbt“ Ravels „Pavane“?

Maurice Ravel (um 1906, Quelle: PD)

Während meiner Assistenzzeit als Henlidin durfte ich im vergangenen Jahr im G. Henle Verlag die unterschiedlichsten Aufgaben übernehmen, Neues entdecken, kreativ sein, die schönsten Noten lesen, Feste feiern, viel lernen und eine eigene blaue Urtext-Edition herausgeben: HN 1260. Die Pavane pour une infante défunte ist eine kleine Komposition von Maurice Ravel, die er 1899 für Klavier geschrieben und später für Orchester umgearbeitet hat. Als schöne Ergänzung unseres Ravel-Repertoires und mit einer vermeintlich „einfachen“ Quellenlage sollte dieses Projekt für mich auch ein guter Einstieg in die Arbeit einer Herausgeberin sein, aber mit jedem Lesen der Quellen tauchten neue Fragen auf. Eine davon beschäftigt mich noch jetzt, nach Erscheinen der Ausgabe, denn auf sie habe ich keine endgültige Antwort gefunden: Ab welchem Tempo „stirbt“ Ravels Pavane? Weiterlesen

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Sommerpause

Wir packen unseren Koffer und nehmen mit: natürlich unsere Urtextausgaben. Und wohin nehmen Sie Ihre Noten mit?

Unser Blog macht eine kleine Sommerpause. Freuen Sie sich auf den nächsten Beitrag am 31. August 2015!

G. Henle Verlag

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Wer tritt? Vom Pedalgebrauch bei Klaviermusik zu vier Händen

Musik für Klavier zu vier Händen bringen wir heutzutage unwillkürlich mit dem 19. Jahrhundert in Verbindung. Es handelt sich um die Hausmusik-Gattung schlechthin. Klavierspielen konnten in der biedermeierlichen Welt viele, und zu vier Händen lässt sich mit wenig Aufwand – will sagen mit bescheidenem technischen Können – doch recht klangvoll musizieren. Gerade im Klavierunterricht wird daher das Vierhändigspiel noch immer gern und viel praktiziert. Meist spielt der Lehrer den Secondo-Part (und sorgt damit für eine orchestrale Grundierung), während der Schüler den leichter zu bewältigenden, Melodie tragenden Primo-Part beisteuert (man denke nur an die Werke des unvermeidlichen Anton Diabelli). Erfolgserlebnis garantiert! Und damit das Ganze noch besser klingt, tritt der Lehrer beim Musizieren das rechte Pedal. Weiterlesen

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„Bitte nicht so spielen, wie es in den Noten steht!“ – Urtext und Spielbarkeit

Eine Szene aus dem Musikunterricht, an die wir uns alle höchst ungern erinnern: Eine bestimmte Stelle misslingt uns immer wieder, und der Lehrer ruft, bereits der Verzweiflung nahe: „Einfach so spielen, wie es in den Noten steht!“

Klingt einfach und selbstverständlich. Wenn es trotzdem nicht klappt, muss es ja wohl an den Fingern liegen, nicht an den Noten. Insbesondere wenn man aus einer Urtext-Ausgabe spielt, aus einer Edition, deren Noten ja kritisch geprüft wurden und daher in Ordnung sein müssen.

Aber ist dies tatsächlich immer der Fall? Kann es nicht doch auch an den Noten liegen, wenn sich Spielprobleme ergeben? Weiterlesen

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Tristan und Kobolde – interessante Funde in Griegs „Lyrischen Stücken“

Zu den beliebtesten und erfolgreichsten Kompositionen Edvard Griegs gehören zweifellos seine Lyrischen Stücke für Klavier, die er zwischen 1867 und 1901 in zehn Einzelheften veröffentlichte und schließlich 1902 in einem Gesamtband zusammenfasste. Doch obwohl die Ausgaben schon zu seinen Lebzeiten zehntausendfach nachgedruckt wurden, sind manche Fehler und Merkwürdigkeiten bis heute unverändert stehen geblieben…
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Klappt’s oder klappt’s nicht? Über Wendestellen in der Musik

Haben Sie sich auch schon manchmal im Konzert gewundert, mit was für merkwürdigen Notengebilden die Musiker die Bühne betreten? So mancher Pianist stellt große Pappen aufs Pult, auf denen vollständige Sätze einer Bach’schen Suite in verkleinerten Kopien zusammengeklebt sind. Auch bei Quartettabenden hängen gerne rechts und links vom Notenständer angeklebte Kopien herunter – ganz zu schweigen von Lieder-Recitals, bei denen sich auf dem Flügel ganze Berge von selbst angefertigten Faltblättern sammeln. Der Grund dafür liegt natürlich auf der Hand: Man kann oder will nicht dort blättern, wo die Notenseite endet. Aber als Lektorin für praktische Urtext-Ausgaben frage ich mich dann schon: Geht das nicht auch anders? Weiterlesen

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Die Musikwelt wird staunen. Zur neuen Urtextausgabe von Mozarts Klaviersonate A-dur KV 331

Vermutlich kennen Sie Mozarts A-dur-Klaviersonate KV 331 (mit dem „alla turca“-Rondo). Eine der bekanntesten Sonaten des gesamten Klavierrepertoires, wenn nicht gar die bekannteste. Und doch ist es die bittere Wahrheit, dass wir alle diese berühmte Sonate bis heute falsch spielen, jedenfalls nicht so, wie es Mozart wollte. Warum? Bis heute gibt es keine einzige fehlerfreie Notenausgabe dieses berühmten Stücks. Das 19. Jahrhundert hatte die Sonate fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt; Urtextausgaben des 20. Jahrhunderts (auch unsere bisherige) mussten im Wesentlichen die Erstausgabe („Opus 6“ im Verlag Artaria, Wien 1784) als beste verfügbare Textgrundlage heranziehen, weil Mozarts Autograph (bis auf die Schlussseite des „alla turca“) verloren war. Weiterlesen

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Darf man das ergänzen? – Die „fehlenden“ tiefen Noten in Beethovens Klaviersonaten

Ein Thema, das Pianisten seit dem 19. Jahrhundert diskutieren: Darf man in Beethovens Klaviersonaten (und natürlich auch anderswo) an einigen Stellen in der linken Hand den Notentext ändern und den Tonumfang nach unten erweitern? Denn Tasten für die tiefen Töne E1 bis C1 standen zwar auf englischen Klavieren zum Teil schon seit ca. 1800 zur Verfügung, deren „Einsatz“ in Beethovens Klaviersonaten erfolgte jedoch erst deutlich später. Bis zur Klaviersonate op. 101, die zwischen 1815 und Anfang 1817 entstand, beachtete Beethoven die Begrenzung des Tonumfangs nach unten bis F1 genau – seine Musik sollte schließlich auf einem „gewöhnlichen“ Klavier spielbar sein. Weiterlesen

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Von der Schwierigkeit Verzierungen zu notieren – Rätsel um eine Trillernebennote in Chopins Berceuse

J.S. Bach, Verzierungstabelle (s.u.)

Das Thema „Verzierungen“ in der Musik ist wahrlich uferlos. Wir haben es mit einem Phänomen zu tun, das sich an der Grenze zwischen Notation und Aufführung abspielt. Verzierungen sind im wahrsten Sinn des Wortes eine „Zierde“, die der Ausführende dem aufgeschriebenen oder gedruckten Notentext beigibt. Verzierungen oder Ornamente wurden in der älteren Musik daher meist erst gar nicht notiert. Die Aufführungstradition lehrte den Interpreten, an welchen Stellen er welche Auszierungen anbringen konnte. Eindrucksvoll zeigt etwa die Flötistin Rachel Brown in unserer Ausgabe der 12 Fantasien von Georg Philipp Telemann (HN 556), was man mit dem Notentext machen kann, ja muss, um ihn stilgerecht aufzuführen. Verzierung hat also im Kern immer mit Improvisation zu tun. Weiterlesen

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