Tristan und Kobolde – interessante Funde in Griegs „Lyrischen Stücken“

Zu den beliebtesten und erfolgreichsten Kompositionen Edvard Griegs gehören zweifellos seine Lyrischen Stücke für Klavier, die er zwischen 1867 und 1901 in zehn Einzelheften veröffentlichte und schließlich 1902 in einem Gesamtband zusammenfasste. Doch obwohl die Ausgaben schon zu seinen Lebzeiten zehntausendfach nachgedruckt wurden, sind manche Fehler und Merkwürdigkeiten bis heute unverändert stehen geblieben…
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Klappt’s oder klappt’s nicht? Über Wendestellen in der Musik

Haben Sie sich auch schon manchmal im Konzert gewundert, mit was für merkwürdigen Notengebilden die Musiker die Bühne betreten? So mancher Pianist stellt große Pappen aufs Pult, auf denen vollständige Sätze einer Bach’schen Suite in verkleinerten Kopien zusammengeklebt sind. Auch bei Quartettabenden hängen gerne rechts und links vom Notenständer angeklebte Kopien herunter – ganz zu schweigen von Lieder-Recitals, bei denen sich auf dem Flügel ganze Berge von selbst angefertigten Faltblättern sammeln. Der Grund dafür liegt natürlich auf der Hand: Man kann oder will nicht dort blättern, wo die Notenseite endet. Aber als Lektorin für praktische Urtext-Ausgaben frage ich mich dann schon: Geht das nicht auch anders? Weiterlesen

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Die Musikwelt wird staunen. Zur neuen Urtextausgabe von Mozarts Klaviersonate A-dur KV 331

Vermutlich kennen Sie Mozarts A-dur-Klaviersonate KV 331 (mit dem „alla turca“-Rondo). Eine der bekanntesten Sonaten des gesamten Klavierrepertoires, wenn nicht gar die bekannteste. Und doch ist es die bittere Wahrheit, dass wir alle diese berühmte Sonate bis heute falsch spielen, jedenfalls nicht so, wie es Mozart wollte. Warum? Bis heute gibt es keine einzige fehlerfreie Notenausgabe dieses berühmten Stücks. Das 19. Jahrhundert hatte die Sonate fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt; Urtextausgaben des 20. Jahrhunderts (auch unsere bisherige) mussten im Wesentlichen die Erstausgabe („Opus 6“ im Verlag Artaria, Wien 1784) als beste verfügbare Textgrundlage heranziehen, weil Mozarts Autograph (bis auf die Schlussseite des „alla turca“) verloren war. Weiterlesen

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Darf man das ergänzen? – Die „fehlenden“ tiefen Noten in Beethovens Klaviersonaten

Ein Thema, das Pianisten seit dem 19. Jahrhundert diskutieren: Darf man in Beethovens Klaviersonaten (und natürlich auch anderswo) an einigen Stellen in der linken Hand den Notentext ändern und den Tonumfang nach unten erweitern? Denn Tasten für die tiefen Töne E1 bis C1 standen zwar auf englischen Klavieren zum Teil schon seit ca. 1800 zur Verfügung, deren „Einsatz“ in Beethovens Klaviersonaten erfolgte jedoch erst deutlich später. Bis zur Klaviersonate op. 101, die zwischen 1815 und Anfang 1817 entstand, beachtete Beethoven die Begrenzung des Tonumfangs nach unten bis F1 genau – seine Musik sollte schließlich auf einem „gewöhnlichen“ Klavier spielbar sein. Weiterlesen

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Von der Schwierigkeit Verzierungen zu notieren – Rätsel um eine Trillernebennote in Chopins Berceuse

J.S. Bach, Verzierungstabelle (s.u.)

Das Thema „Verzierungen“ in der Musik ist wahrlich uferlos. Wir haben es mit einem Phänomen zu tun, das sich an der Grenze zwischen Notation und Aufführung abspielt. Verzierungen sind im wahrsten Sinn des Wortes eine „Zierde“, die der Ausführende dem aufgeschriebenen oder gedruckten Notentext beigibt. Verzierungen oder Ornamente wurden in der älteren Musik daher meist erst gar nicht notiert. Die Aufführungstradition lehrte den Interpreten, an welchen Stellen er welche Auszierungen anbringen konnte. Eindrucksvoll zeigt etwa die Flötistin Rachel Brown in unserer Ausgabe der 12 Fantasien von Georg Philipp Telemann (HN 556), was man mit dem Notentext machen kann, ja muss, um ihn stilgerecht aufzuführen. Verzierung hat also im Kern immer mit Improvisation zu tun. Weiterlesen

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Eine lustige Geschichte und ein ernstes Problem – Zu Mendelssohns erstem Konzertstück für Klarinette, Bassetthorn und Klavier

Aufträge oder Widmungen zu Werken ließen sich Komponisten entlohnen, meist mit Geld oder Wertsachen – man denke an die im 18. Jahrhundert beliebten Tabatieren –, gelegentlich auch mit Anstellungen oder Jahrespensionen. Dagegen dürfte die Niederschrift eines Musikstückes als Gegenleistung für die Zubereitung einer Mahlzeit doch sehr ungewöhnlich sein. Aber die Devise „Leibgericht gegen Leibmusik“ trifft tatsächlich für die Entstehung von Mendelssohns Konzertstück f-moll op. 113 (MWV Q 23) für Klarinette, Bassetthorn und Klavier zu. Weiterlesen

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Zu einer furchtbar falschen Dynamik im Kopfsatz aus KV 499

In meinem letzten Blogbeitrag berichtete ich von meiner aktuellen, spannenden Editionsarbeit an den Streichquartetten Mozarts. Es ging um eine kleine, aber doch hörbare Richtigstellung eines „mfp“ im Cellosolo des langsamen Satzes des zweiten „Preußischen“ Streichquartetts KV 589. Alle Ausgaben geben diese Stelle meines Erachtens falsch wieder. Mein heutiger kurzer Beitrag stellt eine Steigerung dazu dar: Es geht um den Beginn der Durchführung des Kopfsatzes aus dem sogenannten „Hoffmeister“-Quartett KV 499. Diese Stelle macht noch viel krasser klar, warum Mozarts Streichquartette bis heute nicht in der bestmöglichen Notenausgabe vorliegen. Weiterlesen

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Das melancholische Horn – ein kurzer Ausflug ins Riesenreich der russischen Musik

Das Repertoire des G. Henle Verlags ist traditionell sehr deutsch-österreichisch geprägt – von Bach und Händel über Haydn, Mozart, Beethoven bis Schumann, Brahms und Berg. Doch dieses Jahr 2015 steht bei uns ganz im Zeichen der russischen Musik… Weiterlesen

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Besser spät als nie: Leoš Janáček bei Henle

Leoš Janáček

Wenn zur Reihe der Komponisten in unserem Urtext-Katalog ein neuer Name hinzutritt, ist das immer ein besonderer Moment – und im aktuellen Fall gilt das ganz besonders, denn mit der Bläsersuite Mládí von Leoš Janáček (1854–1928) hält das XX. Jahrhundert bei Henle nun auch im Bereich der tschechischen Musik seinen Einzug. Dass der Verlag dies erst im 6. Jahrzehnt nach seiner Gründung realisieren kann, passt übrigens gut: Just in diesem Lebensjahrzehnt entfaltete nämlich auch Janáček seine höchste Produktivität, wofür es private, professionelle und politische Gründe gibt. Weiterlesen

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Sensationeller Quellenfund: ein bisher unbekanntes Karnevalslied von Beethoven!

Die neue Reihe Am KlavierPlus ist der ideale Einstieg in die Welt der klassischen Klaviermusik, besonders geeignet für alle Jecken und Nicht-Jecken, die gerne gemeinsam mit anderen Musik machen möchten.

Wie ein sensationeller, neuer Quellenfund belegt, war Ludwig van Beethoven – man mag es kaum glauben – närrischer Natur und dem Karneval nicht abgeneigt. Weiterlesen

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