Sergej Prokofjew
Sonate für Violine solo D-dur op. 115
Prokofjews Solosonate für Violine op. 115 entstand im Sommer 1947 als Auftragswerk für das sowjetische Komitee für Kunstangelegenheiten: Man wünschte ein pädagogisches Werk für junge Violinschüler. Die nach diesen Maßgaben komponierte dreisätzige Solo-Sonate weist daher nur mittlere technische Schwierigkeiten und eine moderate Länge auf, ist aber zugleich unverkennbar „echter“ Prokofjew. So hat sie sich als sehr beliebtes Stück für den Geigenunterricht und als kürzeres Vortragsstück für Profis gleichermaßen durchgesetzt.
Diese erste Urtextausgabe liefert auf Basis des Autographs und der sowjetischen Erstausgabe von 1952 einen wissenschaftlich fundierten Notentext – optimal zur Aufführung eingerichtet: Klapptafeln ermöglichen hervorragende Wendestellen; die exzellente Geigerin Tianwa Yang ergänzt einen hilfreichen Fingersatz. So bietet Henle die ideale Grundlage zum Einstudieren der Sonate. Das informative Vorwort des weltweit führenden Prokofjew-Spezialisten Simon Morrison verrät interessante Details zur Entstehung des Werks.
Inhalt/Details
Über den Komponisten
Sergej Prokofjew
Zusammen mit Schostakowitsch bedeutendster
Komponist der Sowjetunion. Er hinterließ ein breitgefächertes Œuvre von
modernsten zu neoklassizistisch schlichten Werken, von propagandistischen
Auftragswerken bis zu Kompositionen, die die KPdSU als formalistisch ablehnte.
| 1891 | Er wird am 23. April in Sonzowka (Ukraine) als Sohn eines Landwirts geboren. |
| 1904–14 | Studium am St. Petersburger Konservatorium. |
| seit 1908 | Gehört zum Kreis um Sergej Diaghilew, der sich intensiv mit zeitgenössischer Musik auseinandersetzt. |
| 1911–18 | Avantgardistische Kompositionen wie „Sarcasmen“, 1. und 2. Klavierkonzert, „Visions fugitives“, „Skythische Suite“ werden als futuristisch abgelehnt. |
| 1916–17 | „Symphonie classique“ im Rekurs auf klassische Modelle bringt ihm internationalen Ruhm. |
| 1918 | Prokofjew verlässt die Sowjetunion und reist in die USA, wo in Chicago seine Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ aufgeführt wird, und 1922 nach Paris. Enge Zusammenarbeit mit Diaghilew, Ballettkompositionen. |
| 1919–23 | Komposition der Oper „Der feurige Engel“, die erst postum 1954 in Venedig aufgeführt wird. |
| 1923–25 | Weiterentwicklung seiner avantgardistischen Musiksprache, z. B. in der 2. Sinfonie. |
| 1927 | Erfolgreiche Konzertreise durch die Sowjetunion. |
| 1929 | Uraufführung von „Der Spieler“ in Brüssel. |
| 1936 | Rückkehr in seine Heimat. Kompositionen im Sinne der Kulturideologie der Sowjetunion. Hinwendung zu einer einfacheren Musik bereits seit Beginn der 1930er-Jahre. Komposition von „Peter und der Wolf“. |
| 1946 | Aufführung von „Die Verlobung im Kloster“ in Prag und „Krieg und Frieden“ in Leningrad. |
| 1948 | Er wird des Formalismus beschuldigt. |
| 1953 | Prokofjew stirbt am 5. März in Moskau.
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Über die Autoren
Dominik Rahmer (Herausgeber)
Dr. Dominik Rahmer, geboren 1971 in Mainz, studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Mathematik in Bonn. Magister Artium 1999, Promotion 2006 mit einer Arbeit über die musikkritischen Schriften von Paul Dukas.
Von 2001 bis 2011 Verlagsangestellter bei Boosey & Hawkes/Bote & Bock in Berlin, dort unter anderem Mitarbeit an der Kritischen Ausgabe der Werke Jacques Offenbachs (OEK). Seit 2011 Lektor im G. Henle Verlag München; Editionen von Werken insbesondere des französischen und russischen Repertoires sowie für Blasinstrumente.
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