Franz Liszt
Ungarische Rhapsodie Nr. 13
Die 1853 erschienene dreizehnte Ungarische Rhapsodie gehört zu den unbekannteren Klavierstücken dieser Serie, steht den populären Rhapsodien aber in ihrem mitreißenden Schwung in nichts nach. Sie verarbeitet nicht weniger als fünf Themen aus der ungarischen Volksmusik und aus populären zeitgenössischen Kompositionen. Das Panorama reicht vom Kunstlied über den Verbunkos (Tanz zur Anwerbung von Soldaten) bis zum Csárdás, wobei expressive Melancholie, glitzernde Läufe und tänzerische Rhythmen Hand in Hand gehen. Wie bei Liszt nicht anders zu erwarten, sorgen die typischen Merkmale des „style hongrois“ wie Tempowechsel, reiche Verzierungen, übermäßige Sekunden oder scharf punktierte Rhythmen auch hier für virtuose Effekte und reichlich Lokalkolorit.
Beteiligt an der Edition, die erstmals alle erhaltenen Quellen – von der Frühfassung bis zur letzten Neuausgabe zu Lebzeiten – berücksichtigt, sind die bewährten Liszt-Spezialisten: Mária Eckhardt für das Vorwort sowie Vincenzo Maltempo für den Fingersatz.
Inhalt/Details
Über den Komponisten
Franz Liszt
Der berühmteste Klaviervirtuose des 19. Jh.s gilt als einflussreichste Künstler- und Komponistenpersönlichkeit der sog. Neudeutschen Schule (mit Berlioz, Wagner). Sein immenses musikalisches Œuvre umfasst an erster Stelle Klavier-Solowerke, darunter zahlreiche Transkriptionen; daneben entwickelt er die sogenannte Sinfonische Dichtung. Bedeutend auch seine geistlichen und weltlichen Chorwerke und Lieder.
| 1811 | Er wird am 22. Oktober in Raiding (Sopron) als Sohn eines Beamten im Dienst des Fürsten Esterházy geboren. Erster Klavierunterricht bei seinem Vater, frühe erste Kompositionsversuche, mit 9 erster öffentlicher Auftritt. |
| 1822 | Übersiedlung der Familie nach Wien, Unterricht bei Carl Czerny und Antonio Salieri. |
| 1823 | Übersiedlung der Familie nach Paris. Kompositionsunterricht bei Ferdinando Paër und Antonín Reicha (1826). Auftritte in Salons, Konzerte. |
| 1824–27 | Konzertreisen durch Frankreich, nach England und in die Schweiz. Komposition von Opern-Paraphrasen für Klavier. |
| 1830 | Bekanntschaft mit Berlioz, Lektüre-Studien. Er wird zum beliebten Pianisten und Klavierlehrer der Pariser Gesellschaft. |
| 1835 | Er zieht in die Schweiz mit Gräfin Marie d’Agoult: hier wird das erste gemeinsame Kind, Blandine-Rachel, geboren er konzertiert weiterhin in Paris. |
| ab 1839 | Ständige Konzertreisen durch ganz Europa. |
| ab 1847 | Sinfonische Dichtungen, u. a. Nr. 2 „Tasso: lamento e trionfo“, Nr. 1 „Ce qu‘on entend sur la montagne“ (‚Bergsinfonie‘), „Eine Faust-Symphonie in der Charakterbildern“, „Eine Symphonie zu Dantes Divina Commedia“ (‚Dante-Symphonie‘) sowie [Nr. 11] „Hunnenschlacht“. |
| 1848–61 | Kapellmeister in Weimar; er setzt sich für die fortschrittliche Musik ein (Wagner, Schumann, Berlioz). |
| 1857–62 | Oratorium „Die Legende von der heiligen Elisabeth“. |
| 1861–68 | Aufenthalt in Rom. |
| 1865 | Empfang der niedrigen Weihen. |
| 1866–72 | Oratorium „Christus“. |
| 1871 | Ernennung zum ungarischen Hofrat; er lebt in Rom, Weimar und Budapest. |
| 1886 | Er stirbt am 31. Juli in Bayreuth. |
Über die Autoren
Peter Jost (Herausgeber)
Dr. Peter Jost, geboren 1960 in Diefflen/Saar, studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Komparatistik an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Promotion 1988 mit einer Arbeit über Robert Schumanns Waldszenen.
Von November 1991 bis April 2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Richard Wagner-Gesamtausgabe in München, seit Mai 2009 Lektor beim G. Henle-Verlag. Urtext-Ausgaben vor allem von französischer Musik des 19. und 20. Jahrhunderts, u.a. zu Werken von Lalo, Saint-Saëns und Ravel.
Mária Eckhardt (Vorwort)
Mária Eckhardt, geboren 1943 in Budapest, studierte an der Budapester Musikakademie (Liszt Ferenc Hochschule für Musik, heute Universität für Musik), 1966 erhielt sie das Diplom in Chorleitung und Musikunterricht. Nach verschiedenen beruflichen Stationen in der Ungarischen Nationalbibliothek Széchényi und im Institut für Musikwissenschaft der Ungarischen Akademie der Wissenschaften widmet sie sich dem Liszt-Ferenc-Gedenkmuseum und -Forschungszentrum der Musikakademie, dessen Direktorin sie in den Jahren 1986–2009 auch war.
Eckhardt erhielt für ihre Liszt-Forschung zahlreiche Auszeichnungen in Ungarn, im übrigen Europa und den USA. Der Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit liegt neben Franz Liszt auf dem Musikleben des 19. Jahrhunderts und der Musikgeschichte Ungarns.
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