Sergej Prokofjew
Klaviersonate Nr. 8 op. 84
Die Klaviersonate Nr. 8 op. 84 von Sergej Prokofjew ist die letzte und längste seiner drei sogenannten Kriegssonaten. Häufig werden diese mit der Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht in Verbindung gebracht. Für die Rezeption dieser klanglich herben Klaviersonaten spielt dieser Zusammenhang sicherlich eine große Rolle. Die Uraufführung der Sonate Nr. 8 fand am 30. Dezember 1944 in Moskau durch Emil Gilels statt. Auch der große Pianist Svjatoslav Richter schätzte das Werk sehr: „Von Prokofjews Sonaten ist sie die reichste. Sie hat ein komplexes Innenleben mit tiefen Gegensätzen. Manchmal scheint sie wie betäubt dem unaufhaltsamen Lauf der Zeit zu lauschen.“
Für die vorliegende Urtext-Edition konnte neben der Erstausgabe von 1946 und den zeitnah erschienenen westlichen Ausgaben das in Sankt Petersburg aufbewahrte Autograph ausgewertet werden. Das Vorwort stammt vom Prokofjew-Experten Simon Morrison. Alexander Melnikov, der diese Sonate auch auf CD vorgelegt hat, sondiert in seinem Fingersatz mit Kennerblick das anspruchsvolle Terrain.
Inhalt/Details
Über den Komponisten
Sergej Prokofjew
Zusammen mit Schostakowitsch bedeutendster
Komponist der Sowjetunion. Er hinterließ ein breitgefächertes Œuvre von
modernsten zu neoklassizistisch schlichten Werken, von propagandistischen
Auftragswerken bis zu Kompositionen, die die KPdSU als formalistisch ablehnte.
| 1891 | Er wird am 23. April in Sonzowka (Ukraine) als Sohn eines Landwirts geboren. |
| 1904–14 | Studium am St. Petersburger Konservatorium. |
| seit 1908 | Gehört zum Kreis um Sergej Diaghilew, der sich intensiv mit zeitgenössischer Musik auseinandersetzt. |
| 1911–18 | Avantgardistische Kompositionen wie „Sarcasmen“, 1. und 2. Klavierkonzert, „Visions fugitives“, „Skythische Suite“ werden als futuristisch abgelehnt. |
| 1916–17 | „Symphonie classique“ im Rekurs auf klassische Modelle bringt ihm internationalen Ruhm. |
| 1918 | Prokofjew verlässt die Sowjetunion und reist in die USA, wo in Chicago seine Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ aufgeführt wird, und 1922 nach Paris. Enge Zusammenarbeit mit Diaghilew, Ballettkompositionen. |
| 1919–23 | Komposition der Oper „Der feurige Engel“, die erst postum 1954 in Venedig aufgeführt wird. |
| 1923–25 | Weiterentwicklung seiner avantgardistischen Musiksprache, z. B. in der 2. Sinfonie. |
| 1927 | Erfolgreiche Konzertreise durch die Sowjetunion. |
| 1929 | Uraufführung von „Der Spieler“ in Brüssel. |
| 1936 | Rückkehr in seine Heimat. Kompositionen im Sinne der Kulturideologie der Sowjetunion. Hinwendung zu einer einfacheren Musik bereits seit Beginn der 1930er-Jahre. Komposition von „Peter und der Wolf“. |
| 1946 | Aufführung von „Die Verlobung im Kloster“ in Prag und „Krieg und Frieden“ in Leningrad. |
| 1948 | Er wird des Formalismus beschuldigt. |
| 1953 | Prokofjew stirbt am 5. März in Moskau.
|
Über die Autoren
Andreas Pernpeintner (Herausgeber)
Andreas Pernpeintner, geboren 1982, studierte an der LMU München Musikpädagogik, Musikwissenschaft und Geschichte. Erweiterung der Abschlussarbeit zur Buchpublikation „Klaviertechnik nach Ansgar Janke. Bewegungsoptimierung beim Instrumentalspiel“. 2012 Promotion im Fach Musikwissenschaft mit der Arbeit „Aloys Georg Fleischmann (1880–1964). Musikalische Mikrogeschichte zwischen Deutschland und Irland“, Forschungsaufenthalte in Irland und Großbritannien, Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Pernpeintner arbeitete für das „Bayerische Musiker-Lexikon Online“. 2011–2024 war er Mitarbeiter der „Kritischen Ausgabe der Werke von Richard Strauss“ und hat sämtliche Klavierlieder des Komponisten herausgegeben. Als Musikjournalist schreibt er für die Süddeutsche Zeitung. Seit 2024 ist er Lektor beim G. Henle Verlag mit dem Schwerpunkt auf Klaviermusik und Werken von Komponistinnen.
Angaben zur Produktsicherheit
G. Henle Verlag
Hier finden Sie die Informationen zum Hersteller des Produkts.G. Henle Verlag e.K.
Forstenrieder Allee 122
81476 München
Deutschland
info@henle.de
www.henle.com
Empfehlungen
autogenerated_cross_selling
Weitere Ausgaben dieses Titels
Weitere Ausgaben dieses Titels